
Zunächst lief alles wie geschmiert auf der stolzen Segelyacht Moonbeam IV. Der 1914 von William Five junior für den Briten Charles Plumtree Johnson gezeichnete, 35 Meter über Alles lange Gaffelkutter hat Klüver, Vorsegel und Groß gesetzt und befindet sich bereits auf der Rückfahrt zur Ziellinie. Die schwimmt, gekennzeichnet durch ein vor Anker liegen-des Schiff und eine gelbe Tonne in der Form eines Tetraeders, in Sicht-weite vor dem Fort Carré, einem der Wahrzeichen des Cote d`Azur-Städtchens Antibes an der südfranzösischen Mittelmeerküste. Kurz zuvor hat das Segelschiff, das wie kaum ein anderes dieser Zeit das Geschwin-digkeits-Potential eines Racers mit dem Comfort eines Cruisers kombi-niert, die Wendemarke der Regatta vor den Stränden von Juan les Pins auf der anderen Seite des Caps mit mehreren Schiffslängen Abstand vor dem erbitterten - und einzigen - Gegner dieses Rennens, dem Schwester-schiff Moonbeam of Fife III, passiert. Die Sonne brennt über einem fast wolkenlosen, dunkelblauen Himmel, der Wind bläst mäßig aus Nordwest, die Stimmung an Bord ist gut, und die
Moonbeam IV fährt mit schöner Rauschefahrt auf Halbwind-Kurs Richtung Ziel.
Dann kam der Mistral. Wie aus dem Nichts fällt der berüchtigte, kalte Mittelmeerwind, den die Einheimischen auch Aurassos nennen, wenn er sehr stark bläst, oder Cisampo, wenn er außergewöhnlich kalt weht, über die berühmte Big Class der 20er Jahre her. Er rüttelt am Rigg und zerrt an Schoten und Tuch. Das 84 Tonnen verdrängende, Teak auf Eisen ge-plankte Schiff schüttelt sich kurz, und beginnt, stark zu krängen. Mikael Créac´h wirft einen kurzen, prüfenden Blick in die Segel. Dann gibt der Skipper kurz und knapp das Kommando, die Vorsegel zu bergen. Jeremie Le Floc`h, sein 31jähriger Bootsmann, und die Vorschiffs-Crew handeln sofort. Nur Minuten später ist das weiße, im Wind schlagende Tuch ge-bändigt und an Klüverbaum und Deck gesichert. Nur mehr mit dem ge-setzten Gaffel-Groß gischtet das weiße Schiff kurze Zeit später als end-gültiger Match-Race-Sieger durchs Ziel.
Das Duell der beiden klassischen Schwestern anlässlich der
Les Voiles d`Antibes vor der Cote d`Azur ist der stilvolle Paukenschlag, mit dem die diesjährige Regattaserie für klassische und die sogenannten Vintage-Yachten am Mittelmeer eröffnet wurde: Denn noch nie hatten sich die so ähnlichen, nur in Länge und Segelfläche sich auf den ersten Blick unter-scheidenden Yachten dort im direkten Wettkampf Boot gegen Boot ihre Kräfte gemessen. Doch weitere
wettfahrten im Rahmen der
Panerai Classic Yachts Challenge mit ähnlich spannenden Rennen folgen: Etwa die
Vele d´epoca a Porto Rotondo in Italien vom 9.bis zum 13.September. Oder die vor dem französischen Cannes nur eine Woche später, vom 21.bis zum 26.September, laufenden
Régates Royales. Hier geben sich die Yachten, welche in der Klassiker-Szene des Mittelmeer-Raumes Rang und Namen haben, ein Stelldichein. Darunter finden sich regelmäßig so wohlklingende Namen wie Iona, Tigris, Bona Fide, Wayward oder Lulu. Diese Yachten haben eines mit der Moonbeam of Fife III, der kleinen Schwester der "IV", gemeinsam: Alle sind älter als 100 Jahre - und dabei doch noch - oder besser: wieder - bestens in Form.
Sehen und gesehen werden, und: Sich vor allem im sportlich-fairen Wettkampf unter weißem Baumwoll-Tuch miteinander zu messen, um im Anschluss daran den Sieg - oder die Niederlage - gemeinsam zu feiern, lautet des Motto der bunten Klassiker-Festivals an der französischen und der monegassischen Süd- sowie Italiens Nordwestküste. Man kennt- und man schätzt sich. So wie die Kapitäne der beiden legendären Moon-beams. Auch wenn das Fazit der Rennserie vor dem Chateau Grimaldi, in dem sich heute ein Picasso-Museum befindet ("strong but great sailing days") aus dem Munde von Skipper Creac`h eindeutig ausfällt ("so we have won the Challenge with Moonbeam III three to one"), wird am Abend nach den Rennen doch ausgelassen zusammen gefeiert. Man gönnt den Jungs und Mädels mit der Acht auf dem Rücken den Sieg - für dieses mal. Das nächste mal werden die Karten neu gemischt. Bis dahin wird im Segler-Village am Ende des Quai Henri Rombaud auf dem Gelände des Chantier Naval getanzt, man trinkt ein Bier im Café de Porte an der Ecke Boulevard d´Aguillon / Rue Aubernon am Ancienne Porte Marine oder relaxt am nahen Plage de la Gravette. Die Schiffe verdanken ihre Namen übrigens einem Gedicht: "Weißt du, wer ich bin? Der Mondstrahl. Weißt du, woher ich komme? Schau nach oben!", schrieb der für Segelschiffe schwärmende französische Schriftsteller Guy de Maupassant. Beide Schiffe eint, neben dem romantischen Namen vor allem jedoch Eines: Ihre edle Herkunft. Beide Ausnahme-Yachten stam-men aus der für edle Linien und schnelle Schiffe berühmten William Fife & Son-Werft in Fairlie. Nur beim Aussprechen des Namens einer der kurz nach der Jahrhundertwende vom Stapel gelaufenen Yachten bekommen Klassiker-Freunde glänzende Augen. So ergeht es auch Angelo Bonati. Der Panerai-Chef unterstützt nicht nur die hochkarätig besetzte Wettfahrtserie auf dem Mittelmeer, in diesem Jahr unter anderem mit der auf 500 Exemplare limitierten Herausgabe des Yachtchronographen "Luminor 1950 Regatta Rattrapante 44 mm DLC"; seine Firma restauriert zurzeit auch einen weiteren Five-Riss, die legendäre Eilean, die der passionierte Segler bei Antigua als Wrack entdeckt hatte.
Foto: Die Moonbeam IV (links) im Duell Boot gegen Boot gegen das Schwesterschiff, die Moonbeam of Five III am 6.Juni 2009 bei der Les Voiles d`Antibes 2009, Teil der Panerai Classic Yachts Challenge, (c)
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