Segeln
Ab in die Rahen: Segeln lernen auf der Santa Barbara Anna
abgelegt im Archiv Segeln lernen von Matt am 05.09.08
Ab in die Rahen: Segeln lernen auf der Santa Barbara Anna
Wer lernen will, wie ein Rahsegler bedient wird, ist auf der Santa Barbara Anna, einem 1951 bei Richard Iron Works im englischen Lowestoft gebauten ehemaligen Dieseltrawler, mittlerweile umgebaut zu einem Dreimast-Toppsegelschoner, im Stadthafen von Rostock an der Ostseeküste, richtig.

"Ein Toppsegelschoner ist ein Schiff mit mehreren Masten, bei dem der vordere Mast ein Gaffelsegel, also ein Segel mit Holzspieren, trägt", erklärt Gerd Düffer, Skipper auf der Santa Barbara Anna. Die Besonderheit bestehe jedoch in den Rahsegeln, rechteckigen Tüchern, welche ebenfalls an Spieren - den Rahen - mittig an der Vorkante des vorderen Mastes befestigt sind, sagt der 69jährige Seemann stolz. Und die befänden sich eben oben, das heiße auf einem Schiff: im Topp. Düffer gehört zu einer Crew von sieben Männern, allesamt ehemalige Seeleute, die sich in ihrem Ruhestand dem Schiff widmen.

Den Unterhalt des Schiffes verdienen sie sich mit Charterfahrten für Firmen und Privatleute, sie selbst betreiben ihr Hobby ehrenamtlich. Allesamt sind sie um die 70 Jahre alt, was ihnen schon mal den nicht ganz ernst gemeinten Namen "Rentner-Gang" eingebracht hat. Düffer und seine Kollegen sehen das jedoch gelassen. Jede freie Minute wird gesegelt. Nur darauf kommt es den alten Salzbuckeln an. Und wenn die Leinentücher mal nicht gesetzt werden können, weil der Wind entweder zu stark oder gar nicht weht, dann wird eben am Schiff gebastelt. Viele jüngere helfende Hände auf der Basis "Hand gegen Koje" sind in den letzten Jahren dazugekommen. "Arbeit gibt es auf der "Anna" immer genug", weiß Eckhard Wollmann.

Der 46jährige Fahrdienstleiter im Rostocker Seehafen ist einer von denen, die den Umgang mit einem Traditionssegler erlernen wollen. Seit Dezember 2006 ist er vom Rahsegler-Virus befallen. "Zuerst musste ich an Bord Holzbänke schleifen und lackieren", erinnert sich der Eisenbahner. Inzwischen klettert er selbst in die Rahen und hilft beim Setzen des weit seitlich ausladenden Segeltuches. Klar habe er beim ersten Mal Angst gehabt, als er ganz nach oben gestiegen ist, um die Segel zu setzen, sagt Wollmann. Ganz oben: Das bedeutet bei dem Traditionssegler 28 Meter, das ist so hoch wie ein siebenstöckiges Haus. Doch: "Je öfter man in luftiger Höhe war, umso ruhiger wird man", erklärt der Decksmann mit dem blauen Crew-Pulli.

Jedermann könne auf der Santa Barbara Anna lernen, wie man einen Rahsegler richtig bedient, sagt Schiffsführer Düffer. Im Winter gebe es regelmäßig Theorieunterricht und eine Unterweisung in Arbeiten am Schiff, und im Sommer werde eben gesegelt; Höhenangst sollte man dabei allerdings nicht haben; "die überwindet man nicht mal eben so". Zudem hat jeder die Möglichkeit, sich auf Tagesausfahrten mit dem Rahsegler vertraut zu machen, wer will, kann das ganze Schiff stunden-, tage- oder auch wochenweise chartern.

Die SBA im Internet: www.santa-barbara-anna.de.

Foto: Die "Rentner-Gang" mit Freunden auf dem Achterschiff, (c) www.muencheberg-media.com.

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