Antigua nicht nur für Wettfahrer
abgelegt im Archiv Segelsport von Matt am 27.02.07

hört, denkt an die Sailing Week. Jedenfalls, wenn es sich um Segler handelt. Das war indes nicht immer so: Die Macher der "Week" konnten sich im Jahre 1967, zu einer Zeit also, da das 280 Quadratkilometer große Eiland im Empfinden vieler Reisender lediglich von spärlicher Dornbuschvegetation und Abfall an den Straßenrändern dominiert war, durchaus nicht sicher sein, ob die Wettfahrten ein Erfolg werden würden. Schließlich sei die Sailing Week ursprünglich als sogenannte "saisonverlängernde Maßnahme" der Antigua Hotels & Tourist Association mit Sitz in der Newgate Street auf der größten der drei "Inseln über dem Wind", Antigua, Barbuda und Redonda, mit der Teilnahme von zunächst nur einer handvoll lokaler Yachten entstanden, erklärt Organisator Neil Forrester.Nun wird die Sailing Week 40. Zwar findet der Skipper auf Karibik-Törn noch immer kaum Palmenhaine und blühende Tropenpflanzen im Inneren der Insel, die von Columbus auf seiner zweiten Westindienreise ihren Namen erhielt. Doch mit neuem Titelsponsor, der Stanford-Bank, und fünf Wettfahrten für insgesamt 19 Bootsklassen schickt sich die Neuntage-Woche in 2007 endgültig an, eine der attraktivsten Segelveranstaltungen der Karibik zu werden. Dann schlägt das vielbeschworene Herz der Karibik auf Wadadhi, wie die Ureinwohner die Insel auf dem sogenannten Antillenbogen vor 2000 Jahren nannten: Hunderte von Yachten, von der Rennzicke bis zum Edelkahn, werden sich vom 28. April bis zum 5. Mai auf den Wasser- oder den Luftweg zu den Leeward Islands im Nordosten der Karibik begeben. Darunter waren im vergangenen Jahr auffallend viele deutsche Crews. Mit gleich zwei ersten Plätzen in der offenen Bareboat-Klasse war Deutschland 2006 sogar die erfolgreichste Nation unter den Charteryachten. Insgesamt kämpften im vergangenen Jahr 191 internationale Crews, darunter 14 deutsche, in 16 Klassen um Platz und Sieg.
Doch das Revier rund um Antigua hat mehr zu bieten als die Week mit ihren hochkarätigen Regatten, Lay Day und Dockyard Day sowie Nächten im Abracadabra oder in der Mad Mongoose: Alljährlich Mitte April ist Antigua Treffpunkt der wohl schönsten Klassiker weltweit. Anlässlich der 20. Antigua Classic Yacht Regatta (19. bis 24. April 2007) werden J-Class-Yachten sowie Großsegler wie die Star Clipper oder die Sea Cloud erwartet. Drei Wettfahrten in fünf Klassen entscheiden über das schnellste der teilnehmenden Schiffe, zudem werden publikumswirksam die fotogenste, die kleinste - und die größte - klassische Yacht prämiert. Ein weiteres Jubiläum auf den Inseln mit dem Werbe-Slogan Where the beach is just the beginning: Ende März bis Anfang April werden im neuen Sir Vivian Richards-Stadium sechs Spiele des World Cricket Cups 2007 ausgetragen.
Doch nur dem Reisenden mit ausreichend Zeit im Seesack werden sich die Inseln über dem Winde völlig erschließen. Das gilt für die Hauptinsel Antigua mit der quirligen, von Reggaemusik zugedröhnten Hauptstadt St. John`s ebenso wie für das nordwestlich gelegene Schwester-Eiland Barbuda: Wer den Flug dorthin mit einem der zweipropellrigen Inselhopper wagt, wird mit einem Mix aus unberührter Natur, einsamen, feinsandigen Stränden und viel Historie belohnt. Empfehlenswert: ein (Motorboot-) törn ab Codrington die gleichnamige Lagune in nördlicher Richtung entlang Kurs Goat Island. Mit einem der typischen, langgeschnitten-klinkerbeplankten Fischerboote, befeuert mit 50 Außenborder-PS, erreicht man nach 30 Minuten das Vogelschutzreservat südwestlich der Goat Island Flush. Unzählige Fregattvögel umschwärmen die Köpfe der Besucher, krächzend, balzend, nesterbauend und ihre Brut lautstark gegen potentielle Angreifer verteidigend. Weiter Kurs Südwest: Die nasse Landung an der Ostlüste der Man of War Island lohnt. Nur wenige Barfuß-Schritte, die Hosenbeine sind weit hochgekrempelt, und der langgestreckte Inselabschnitt ist von der einen zur anderen Seite durchmessen; hier lädt der wohl weißeste, mit Sicherheit aber völlig unberührte Strand des Zweiinsel-Staates, der Loui`s Beach, den Skipper zum Verweilen. Spätestens hier sind vergessen die schmutzigen Straßen im Landesinneren Antiguas und Barbudas, die rostigen Autowracks in den Vorgärten der Einwohner und die karge Vegetation im staubig-trockenen Land der Gegensätze.
Die Week im Netz: www.sailingweek.com.
Der Zweiinsel- Staat im Internet: www.karibik.de/antigua-barbuda.
(Foto: (c) www.nass-press.de).
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