Segeln
BMW Sailing Cup macht Station in Berlin
abgelegt im Archiv Regattafieber von Matt am 16.07.07
BMW Sailing Cup macht Station  in Berlin
Deutschlands Wassersport-Hauptstadt hat es wieder einmal geschafft. Berlin ist Austragungsort einer der spektakulärsten Wettfahrten der diesjährigen Segelsaison. Und das bereits zum zweiten Mal. Vom 20. bis zum 22. Juli starten beim Potsdamer Yachtclub (PYC) 64 Berliner Aktive zum 2. "BMW Sailing Cup".

Das Besondere an dieser Wettfahrtserie: an der reinen Amateurregatta dürfen nur Inhaber eines Segelscheines teilnehmen, die 18 Jahre und älter sind und lediglich über "praktische Erfahrungen im Umgang mit Booten" verfügen dürfen; sprich: "Die Segler sollen keine Wassersport-Profis sein", sagt Kai Lichte von der veranstaltenden Auto-Niederlassung in Berlin.

Einer, der es an Bord einer der sieben Regattayachten des Typs Beneteau First 7.5 geschafft hat, ist der Berliner Segler Christian Gabriel. Der Rechtsanwalt und Geschäftsführer einer Steuerberatungsgesellschaft hatte die Ausschreibungsunterlagen angefordert, sich beworben - und ist nun einer von insgesamt 64 Wassersportlern, auf dem Berliner Wannsee ihren Besten küren wollen. Zwar ist der 50jährige kein seglerischer Vollprofi, seglerisch völlig unbeleckt ist Gabriel indes nicht: Bereits vor 20 Jahren segelte er aktiv im - damals noch olympischen - Soling; erste Erfahrungen mit Schot und Pinne sammelte er davor in der 470er-Jolle und in einem Piraten. Seit fünf Jahren segelt das PYC-Mitglied Gabriel Kielboot, nennt einen frisch sanierten, topgepflegten Börresen-Drachen Baujahr 1992 sein Eigen.

"Mittelfeld-Plätze" belege er regelmäßig mit seinem Kielboot, mehr sei nicht drin, sagt Gabriel. Schuld daran sei die enorme Leistungsdichte im Drachengeschwader, "die vorderen Plätze haben regelmäßig bezahlte Hände an Bord", Profis eben, beklagt der Mann im tadellos sitzenden braunen Anzug, "da kann man als Amateur nicht mehr reißen". Genau das war für den segelnden Anwalt jedoch der Grund, sich für eine Teilnahme am Sailing Cup auf dem Wannsee zu bewerben: "Die Regattaserie stellt für mich eine echte Herausforderung dar, denn engagierte Amateursegler erhalten mit dem Cup die Gelegenheit, sportlich im Team zu segeln". Außerdem fasziniert ihn, mit drei Seglern auf einem Boot klarkommen zu müssen, die er erst kurz vorher kennenlernen wird. "Teambildung" nennt man das. Heißt: Die Mannschaft ist nur so stark, wie jeder einzelne bereit ist, sich in die kleine Gemeinschaft an Bord einzubringen. Das habe auch etwas mit Unterordnung zu tun: "Jeder sollte das machen, was er auf einer Yacht am besten kann", sagt Gabriel.

Sein Traumjob an Bord einer der sportlichen Beneteaus ist die Position des Mittelmannes. "Den Spinnaker fahren, das wäre etwas für mich, da macht mir so leicht keiner etwas vor", sagt Gabriel selbstbewusst. Schließlich freut sich der junggebliebene Fünfzigjährige auf das "anständige Rahmenprogramm", zu dem er auch die Ausstellung eines echten Americas-Cup-Schiffes, der 24 Meter langen und 33 Meter hohen BMW Oracle Racing, zählt. Auf die Frage, ob er im Falle einer erfolgreichen Teilnahme am Sailing Cup vom eher behäbigen Langkieler Drachen auf das Sportboot Beneteau umsteigen wird, antwortet Gabriel: "Ich will nicht ausschließen, dass ich dann öfter mal auf einem der knapp acht Meter langen Yachten mitsegle". Im übrigen glaube der Segler, welcher bereits als Abiturient PYC-Mitglied wurde, und "seinem" Club seither die Treue gehalten hat, "dass ab vier Windstärken keine Beneteau First Class seinem Drachen davonsegeln könne". Auch hierin liegt für den gebürtigen Berliner das Besondere: "Sich mal mit einem völlig anderen Schiff zu beschäftigen, und das vereinsunabhängig, überregional und losgelöst von festgefahrenen Klassenvorschriften", das mache für den Segler aus Berlin den besonderen Reiz dieser Ausnahmeregatta an der Königstraße 3 A aus.

Das Finale findet im Oktober auf der Hamburger Außenalster statt. Die Gesamtsieger nehmen am Weltfinale in Valencia teil. Mehr Informationen im Netz: www.bmw-yachtsport.com.

Info zum Boot:
Bei der Beneteau First Class 7.5 handelt es sich um ein sogenanntes Sportboot. Die Wettfahrten werden auf sieben baugleichen Entwürfen der 7,49 Meter langen (Länge über Alles: 7,90 Meter) "Groupe I" ausgetragen. Die 0,9 Meter tiefgehenden, knapp 1,2 Tonnen verdrängenden Regattaboote weisen eine lichte Höhe von 12,1 Metern auf. Segelfläche am Wind: 36,6 Quadratmeter, davon entfallen auf das Groß 21,3 und auf die Genau 15,3 Quadratmeter, die mit einer Mannschaft von vier Seglern besetzten, ranken Boote können asymmetrische Spinnaker mit einer Fläche von 62 oder symmetrisch geschnittene Spis (51 Quadratmeter) fahren.

Foto: (c) BMW

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