Cave Grypem: Vor 45 Jahren wurde die erste ganzgeschweißte Aluminium-Yacht der Welt in Auftrag gegeben.
abgelegt im Archiv Schifffahrt von Matt am 17.07.07

Mit der 1936 auf Kiel gelegten Germania III gewinnt Skipper Hans Howaldt im selben Jahr olympisches Bronze. Mit an Bord: Gustav Krupps Sohn Alfried. Kurz vor Beginn des zweiten Weltkrieges wird die Germania IV fertiggestellt. Hochsee-Segeln war erst ab 1955 wieder möglich: Mit der Germania V erringt alfried krupp
beim Bermuda- und Transatlantikrennen von 1960 die Pope Christie Trophy und den Sonderpreis First Foreign Yacht to Finish. 1962, also vor 45 Jahren, wird schließlich die Germania VI in Auftrag gegeben. 1963 wird sie nach Plänen von Sparkman & Stevens bei A & R gebaut. Das als Mannschaftsschiff für weltweite Fahrt konzipierte 43 Bruttoregistertonnen-Schiff gilt als die erste ganzgeschweißte Aluminiumyacht der Welt, ein Wagnis zu Beginn der siebziger Jahre. Doch der Erfolg brachte der renommierten Werft schließlich weltweite Anerkennung. Im Baunummern-Buch von A & R, abgedruckt in "Abeking & Rasmussen" von Klaus Auf dem Garten, findet sich auf Seite 137 unter der Baunummer 5895 der Eintrag: 16 KR Kielyacht, Germania VI, Besitzer Krupp von Bohlen und Hallbach, Essen.
In "Germania - Die Yachten des Hauses Krupp" von Alexander Rost und Svante Domizlaff wird das Übergabeprotokoll der Yacht zwischen Werft und Eigner gezeigt. Es wurde am 15. Juli 1963 in Höhe Roter Sand Leuchtturm auf der Außenweser unterzeichnet. "Es wurden keine wesentlichen Beanstandungen festgestellt", heißt es darin.
Eigner der traditionell hellgrün lackierten Bermuda-Yawl ist heute die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung. Stiftungszweck: Jungen Seglern soll Gelegenheit zur Ausbildung im Hochsee- und Regattasegeln gegeben werden. Jährlich 200 Amateursegler nutzen seitdem die Möglichkeit, sich auf der Germania VI Seebeine wachsen zu lassen. Voraussetzung: Sportbootführerschein Binnen. Die An- und Abfahrt zum Liegeplatz muss jeder Segler selbst organisieren, dazu kommt eine Pauschale von zurzeit 10 Euro pro Tag. Den Rest übernimmt die Stiftung.
Bis zu 15.000 Seemeilen werden so mit wechselnden Crews jedes Jahr zurückgelegt. Die Germania VI sei "ein Schiff, das nicht Ehrgeiz befriedigt, sondern Charakter schult und dem Segelsport auf See kundigen Nachwuchs sichert", so Bevollmächtigter Berthold Beitz im Buch "Abeking und Rasmussen" von Svante Domizlaff.
Das Buch "Germania - Die Yachten des Hauses Krupp" von Alexander Rost und Svante Domizlaff (Delius Klasing, Bielefeld) widmet der letzten Yacht Alfried Krupps ein eigenes Kapitel. Im Internet: www.delius-klasing.de.
Foto: © www.nass-press.de.
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