Segeln

Familienyacht für große Fahrt

abgelegt im Archiv Motoryachts am 22.05.07

Familienyacht für große Fahrt
"Die neue Advantage ist ein grundsolides Fahrtenboot", sagt Wolfgang Heinzig über seine Neuerwerbung, eine in klassischer Optik daherkommende 38 Fuß-Stahlverdrängeryacht aus dem niederländischen De Wilgen. Ob das 11,60 Meter über Alles messende, 3,95 Meter breite Schiffchen hält, was Händler Heinzig an diesem Tag auf der frühlingshaften Havel bei Töplitz verspricht, zeigt ein erster Test des 14 Tonnen schweren Prototyps einer neuen Linie im Premium-Motoryachtbereich.

Zunächst fällt die äußere Ähnlichkeit mit 38 Fuß-Yachten aus dem - ebenfalls niederländischen - Hause Veha auf. Schnell werden jedoch Unterschiede deutlich: So folgt etwa das mit 40 Zentimetern Breite ausreichend dimensionierte Gangbord geradlinig ansteigend der Bugform; so werden Stolperfallen wie etwa auf der Veha-Yacht von vornherein vermieden. Auch der vom Cockpit bis zum Vorschiff durchgängige, beidseitige Handlauf sorgt neben der 70 Zentimeter hohen Seereling bei der neuen C- (Küste) zertifizierten De Drait-Yacht im Gegensatz zum Schwesternschiff für zusätzliche Sicherheit, wenn es etwa bei schwerer See heißt "Eine Hand fürs Schiff". Auch der etwas rauhere, vergleichsweise laute 100 PS leistende Vierzylinder-Schiffsdiesel von Iveco in der dunkelblau lackierten Advantage unterscheidet sich deutlich vom Deutz-Aggregat in der Veha-Yacht.

Wolfgang Heinzig: "Der von uns eingebaute Iveco verbaucht als typischer Saugermotor zwar etwas mehr Diesel als ein Turbolader von anderen Herstellern, dafür ist er aber sehr robust und äußerst langlebig". Von der ausreichenden Durchzugskraft können wir uns wenig später auf dem Großen Zernsee in der Nähe von Werder an der Havel überzeugen: Schiebt das Marineaggregat den Verdränger bei 1000 Umdrehungen noch gemächliche 7 Kilometer pro Stunde schnell durchs grüne Havelnass, sind es bei 2000 Umdrehungen bereits 11 km/h. Eine gute Reisegeschwindigkeit, wie wir finden; erlaubt sind ohnehin nur 12 Kilometer pro Stunde. Schluss ist erst bei 2750 Umdrehungen: Da schiebt das stäbige Schiffchen, nun 15 km/h schnell durchs Wasser rauschend, bereits eine mächtige Bugwelle vor sich her. Das ist jedoch auf Dauer nicht empfehlenswert: Dieselverbrauch und Geräuschemissionen steigen ab einer Umdrehungszahl von 2300 steil an.

Positiv fällt die großzügige Dimensionierung von achterdeck, Salon und achterlicher Eignerkabine auf. Wichtig, wenn Kinder zur Crew gehören: Sie können das Schlafzimmer im Bugbereich, ausgestattet mit Etagenbett, zu dritt für sich entern; eine zusätzliche Sitzgruppe mit zwei im Durchschnitt 1,35 Metern breiten Bänken mittschiffs backbord bietet zudem Gelegenheit für ungestörtes Spielevergnügen, während die Eltern sich - nur drei Treppenstufen erhöht - im Salon mit U-förmigem Sofa, zwei Sesseln, Tisch und Flachbild-TV aufhalten können. Oder eben umgekehrt.

Gut für Klein und Groß: die üppig dimensionierte achtere Badeplattform mit Dusche und Niro-Leiter, die vom Cockpit aus bequem über eine Wendeltreppe erreichbar ist. Eine durchgängige Stehhöhe von zwei Metern im gesamten Schiff erlaubt es schließlich auch großen Crewmitgliedern, sich stets erhobenen Hauptes durchs Boot zu bewegen (lediglich der achterliche Sanitärraum - beide Nasszellen sind übrigens mit elektrischem WC, Waschbecken, Dusche und Fenster ausgestattet - ist 1,90 Meter hoch).

Langfahrttauglich ist auch die mittschiffs steuerbord angeordnete, 1,76 mal 3,27 Meter messende Kombüse: Ein vierflammiger Gasherd mit Abdeckung, eine Spüle, Kaffeemaschine und Mikrowelle lassen keine Wünsche offen. Gut gefallen hat uns schließlich die leichte Erreichbarkeit der zu wartenden Aggregate: Schiebt man den Salontisch zur Seite, kann mit nur einem Finger die schwere Motorabdeckung geöffnet werden. Sie wird durch eine Gasdruckfeder arretiert. Ã-lmessstab, Schlammfilter und Ventile können vom Laminatboden des Salons so leicht bedient werden.

Dass sich die neue De Drait Advantage sicher auf engstem Raum manövrieren lässt, erleben wir spätestens beim Einparken in die nur 4,20 Meter breite Box: Trotz starken Seitenwindes leistet der Schiffsdiesel im Verbund mit den jeweils 7 PS starken Bug- und Heckstrahlrudern ganze Arbeit. Ohne jede Berühung der dicht stehenden Dalben gleiten wir zu unserem Liegeplatz.

Der Preis ab Werft beträgt in der von uns gefahrenen Version 219.322 Euro netto; Transportkosten schlagen mit etwa 2.200 Euro zu Buche. Das Boot kann bei Yachtcharter Heinzig in Töplitz probegefahren und wochenweise gemietet werden. Informationen im Netz: www.heinzig.de.

Foto: © www.nass-press.de


Permalink: Familienyacht für große Fahrt

Tags: de  drait  advantage  38  heinzig  töplitz  motoryacht 

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