Segeln
Folke forever 2007! Teil 1
abgelegt im Archiv Classic Cruising von Matt am 25.01.08
Folke forever 2007! Teil 1
Dass auch das Fahrtensegeln durchaus seine Reize haben kann, beweist nachfolgender Törnbericht. Hier einige Auszüge aus dem Logbuch der FG-6 SVEA, Saison 2007, notiert von Skipper Silvio Weiß :

Aber Hallo, dies Jahr ist unsere "Dschunke" sogar einen Monat früher ins Wasser gekommen. Aber Ende Juli ist eigentlich immer noch zu spät. Mal schauen, wie es im nächsten Jahr klappt. Nun immer sind wir nicht so spät, wir hatten es sogar schon mal im April geschafft.
Wieder in Ribnitz geflutet, harrten wir der Dinge, von wegen Dichtigkeit und so.
Die beiden Schmutzwasserpumpen und die kleinere, elektrische Bilgenpumpe, hatten wieder voll zu tun, damit SVEA nicht im schlammigen Hafenbecken versinkt.

Steffen fiel da der Tipp von Martin Ziegler ein. Ein paar Pützen voll mit Sägespänen, mittels Bootshaken unter den Klinkerrumpf drücken. Hatte doch Martin als Vercharterungsunternehmen, damals jedes Jahr mit mehreren Holzfolkebooten zu kämpfen, also muß da etwas dran sein. Steffen kam kurze Zeit später mit zwei Alditüten voller Sägespäne wieder. Machte sich auch gleich daran, diese in unsere Pütz umzufüllen und mittels Bootshaken unter die "Klinken" zu drücken.
Kurze Zeit später schaltete ein Schwimmerschalter nach dem anderen, seine ihm zugehörige Pumpe aus. Darauf ein Bierchen am Fischkutter im Hafen.

Am nächsten Tag den Mast gestellt, kostenlos- im Segelclub Ribnitz Dammgarten. Die Sportsfreunde dort, haben sich selbst einen kleinen Mastkran gebaut. Dank den fleißigen Handwerkern im Ribnitzer Segelclub!!! So, na denn, die Saison kann beginnen.

Bruder Steffen übernahm den Part der Überführung, durch das Boddenfahrwasser. Mit Freund Hannes, der hier groß geworden und ebenfalls mit Seele dem feuchten Element verbunden ist, war das bestimmt ein schöner Trip. Leider hatten sie den Wind gegen sich, so dass sie fast ausschließlich unter Motor fuhren. Unser gutes altes Maschinchen, gab sein bestes. Ohne Zwischenfälle, erreichten sie dann auch Stralsund, welches dies Jahr unsere Basis sein sollte. Gäbe es da nicht auch noch die Ziegelgrabenbrücke, wäre es sicher die Traumbasis in diesem Revier. Vor dem Stadthafen, ließen es sich, verständlicherweise, die Beiden nicht nehmen noch mal das Tuch zu setzen, um in den Rausch des Segelns zu fallen.

Am 10.08.07 übernahm ich dann die gute alte SVEA, brachte die Beiden noch zurück zu Ihrem Auto nach Ribnitz und es ward Sommer. Die erste Nacht alleine auf dem Boot, fiel ich nach ein-zwei Pilsetten, gemütlich in einen tiefen Schlaf.

Am nächsten Tag wurde noch mal alles gecheckt, was mir so einfiel. Ich erwartete Damenbesuch. Zwei an der Zahl. Meine Freundin Evi und ihre Tochter Mareike wollten heute noch anheuern, da muß doch noch klar Schiff gemacht werden. Verproviantierung, verstauen und Gemütlichkeit.

Die Ziegelgrabenbrücke öffnete um 9:20 Uhr, die nahmen wir dann auch, am folgenden Tag, um gleich dahinter, an der Industriehafenpier zünftig zu frühstücken. Die scheinen hier noch viel vorzuhaben, so tüchtig wie die hier herumbauen. Früher war hier mal ein großer Segelclub, davon ist nicht die Bohne mehr zu sehen. Das Wetter war nicht sehr einladend, diesig, grau, kalt und naß. Aber es wehte ein seichter Wind, so das wir auch gleich die Segel hissten. Gegen Nachmittag machten wir auch schon in Greifswald -Wieck fest. Das Wetter zeigte sich nicht gerade von seiner besten Seite.

Einen Tag drauf war es dann schon viel besser. Die Sonne begleitete uns nach Peenemünde, jenen Ort, wo damals dieses zischende und zerstörende Teufelzeugs entwickelt und gebaut wurde. Dieser Ort wird wohl immer etwas mit Militär zu tun haben. Nach dem Krieg kamen die Russen, um sich noch soviel Technologie und Entwicklungsmaterial, samt Ingenieure einzuheimsen und dann machte sich die NVA, nebst Ihrer Volksmarine hier breit.
Jetzt kann man dort ein russisches U-Boot besichtigen, nebst einer ausgedienten Volksmarine- Fregatte. Eine V1, oder V2 Rakete, steht da auch noch herum. Na ja, strategisch gesehen, ist dieser Standort ja gerade zu ideal.

Wir zogen es aber vor zum Ostseestrand zu wandern, was dann auch nicht so friedlich war.
Massenmenschen, Menschenmassen, aalten sich auf den minimalsten Fleckchen, Körper an Fleisch, Fleisch an Körper. Anders als früher, vernahm man hier nicht nur Berliner Fressen und sächsischen Dialekt, nein auch schwäbisch, bayrisch, hessisch und Alter, echt krasses türkisches deutsch, konkret man, vernahm ich jetzt hier. Im Wasser tummelten sich zum Glück nicht so viel Menschen, weil es wohl ziemlich kalt war. Mußte ich doch mit Mareike planschen gehen, bis mir nicht nur die Ohren weh taten.

Zurück an Bord, baute ich das 1.Mal die Kuchenbude auf. Sie erwies sich als erstklassisch. Stehhöhe im Folkeboot. Und der Besuch den wir gegen Abend erwarteten, konnte dies nur bestätigen. Zu siebt unter der gelben Haube aus Kerteminde, konnte uns der nun folgende Starkregen nichts anhaben. Bei Wein, Weib und Gesang erlebten wir einen ausgesprochen gemütlichen Abend, trotz des Platzregens.

Weiter dann, noch ein Stückchen in den Peenestrom hinein, bis Karlshagen und dort wieder fest gemacht. Wollte doch schon immer mal vom Wasser aus hier einlaufen. Der Hafen ist sehr zu empfehlen, wenn man hier einen Platz findet. Preiswert, sauber und der Hafenmeister ist auch sehr freundlich. Im Hafenrestaurant- "Veermaster", welches maritim eingerichtet war nahmen wir ein leckeres abendmahl zu uns. Seedorf, war der nächste Ort der Routenplanung.
Leider war der urige Hafen, rappelvoll, so dass wir an einem kleinen Vereinsteg festmachten, wollten wir hier bleiben. 2,00 €, die Nacht, ist doch o.k. oder?

Dafür auch keine Duschmarken, sondern Wasserschlauch eiskalt, erfrischend und belabend.
Für die Notdurft stand ein Dixieclo bereit. Dafür aber, hatten wir dort unsere Ruhe.
Diese aber wurde uns noch einmal gestört. Ein etwas größeres Segelboot versuchte ebenfalls noch einen Platz zu erhaschen. Aber sein Hightech Boot, mit Bugstrahlruder half ihm da wenig. Nachdem er sich ein paar Schrammen von den Dalben, die er rammte einfing, gab er auf und drehte ab. Die Damen sprangen vor dem Abendbrot noch mal ins Wasser.

Eine Wanderung zum Schloß Granitz, ein folgender Platzregen, füllte den nächsten Tag aus.
Also, genanntes Schloß sollte man unbedingt besuchen, um vom Aussichtsturm, die einmalig- herrliche Landschaft um Rügen genießen zu können, ein Highlight!!!

Auf dem Rückweg dann, war der Wind etwas heftiger. Am Wind Kurs, die Mädels hielten prima durch. Kurz vor Einfahrt in den Strelasund, kam uns eine fette tiefschwarze Wolke entgegen. Ich reduzierte das Tuch vollends, wartete ab, bei dem was da kam. Da ich das Ende dieser schwarzen Front sah, warf ich den Außenborder an, um wenigstens die Nase im Wind zu halten. So schnell wie das Ungetüm kam, so schnell verschwand es wieder, also wieder die Segel hoch.

Leider verpaßten wir mal wieder die Ziegelgrabenbrücke um Minuten. Wir sahen sie öffnen und auch kurz vor uns wieder schließen. Einfahrt Yachtclub Dänholm war angesagt. Der nächste und letzte Tag dieser Reise, endete im Stadthafen Stralsund. Ich lud meine weibliche Crew dann noch zu einem leckeren Essen im goldenen Löwen (früher mal ein Luxus-Hotel- jetzt ein DDR- Plattenbau), auf dem Marktplatz ein. Etmal: 93,5 sm

Der gesamte Bericht im Internet: www.folkeboot-berlin.de

Foto: © S.Weiß


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