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Schifffahrt
von Matt am 30.03.07

Im September 1957 sank die deutsche Viermastbark PAMIR während des Hurrikans "Carrie" im Nordatlantik. Auch heute, nach nun fünf Jahrzehnten, gehört der Untergang des Fracht fahrenden Segelschulschiffs, eines Schwesterschiffs der berühmten PASSAT, zu den prägenden Ereignissen im jungen Nachkriegsdeutschland.
"Die Schlagseite der jetzt schwer in der See überliegenden PAMIR sagt ganz deutlich: Wir kentern! Wir werden, wir müssen ja kentern... Wie lange werden wir uns noch halten können? Wieder sehe ich in die Runde. Befehle werden nicht mehr gegeben. Der Kapitän steht wie versteinert auf dem Schäkel eines Brassblocks. Sein Blick ist nach vorn gerichtet, nach oben in die Takelage. Unser Zweiter, Gunther Buschmann, blickt wie sachlich nüchtern interessiert in die Runde. Er scheint der Einzige zu sein, der auch die kleinste Bewegung des Schiffes und der Takelage verfolgt, registriert und sie irgendwo einzuordnen scheint."
Von 86 Besatzungsmitgliedern haben nur sechs überlebt, darunter der Autor des soeben in der Edition Maritim erschienenden 300 Seiten starken Buches "PAMIR - Die Geschichte des Untergangs", Karl-Otto Dummer. Er berichtet realitätsnah nicht nur von den letzten Tagen und Stunden der PAMIR sowie der Rettung aus einem winzigen Boot; auch die Porträts seiner Freunde und die realistische Beschreibung der Segelschifffahrt gehören zu den seltenen, authentischen Zeugnissen eines Mannschaftsmitglieds in der deutschsprachigen Literatur.
"Noch während sich diese Männer zum Hochdeck zurückarbeiten, geht ein fühlbarer Ruck durch das Schiff: Die PAMIR kentert. Ich merke im ersten augenblick nur, dass es mich noch mehr Anstrengung kostet, mich in meiner jetzigen Lage zu halten. Rufe und Schreie. Neben und vor mir verschwinden Kameraden in der See. Andere bleiben noch in den Wanten hängen, wieder andere hocken auf den Lüftern. Dazu kommt die erschreckende Erkenntnis, dass ich, der ich einen Gording gepackt habe, plötzlich an einer senkrechten Wand hänge".
Dazu kommt eine akribische Dokumentation: Die Aussagen der Geretteten und ihrer Retter sowie der damals noch lebenden, erfahrenen Segelschiffskapitäne, die in den Seeamtsverhandlungen vorgelegten Beweise und Berechnungen, zahlreiche Dokumente und zeitgenössische Fotos.
"Ein Blick nach hinten lässt mich fast erstarren: Langsam, wie der Oberkiefer eines riesigen Wals, neigt sich das Deck der einst so stolzen PAMIR der Wasseroberfläche zu, um mit einem satten Schwappen und einem entschlossenen Ruck vollends zu kentern. Etliche Kameraden hatten sich - ich sehe sie noch vor mir - an Wanten und Pardunen festgeklammert, andere hatten sich in dem umhertreibenden Tauwerk verheddert, und wieder andere waren einfach nicht vom Schiff weggeschwommen. Keiner von ihnen ist mehr zu sehen".
Drei Gründe nennt das Buch für den Untergang der PAMIR am 21. September 1957: Zum einen hatte das Schiff Gerste geladen, dass - wie allgemein bekannt - bei Bewegungen des Schiffes "wie Wasser fließt", eine weitere Ursache ist im nicht rechtzeitigen Verschlusszustand und im Zuviel an Decksaufbauten zu sehen, schließlich war die PAMIR nur mangelhaft mit angemessenen Rettungsmitteln ausgerüstet.
Weitere Infos: www.delius-klasing.de.
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Wong
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