Segeln

Kat-Segeln vor Mauritius: Jetzt beginnt der Sommer

abgelegt im Archiv Charters World am 13.11.08

Kat-Segeln vor Mauritius: Jetzt beginnt der Sommer
Der Sommer steht vor der Tür- zumindest auf der Südhalbkugel. Das bedeutet Hauptsaison auch auf der 800 Kilometer östlich Madagaskars und oberhalb des südlichen Wendekreises liegenden Insel, von der schon Mark Twain meinte, Gott habe das Paradies nach dem Vorbild dieser Maskareneninsel geschaffen: Mauritius. Der Sommer beginnt im Dezember und endet im Februar. Die beste Zeit, um unbeschwert unter weißem Tuch dahingleitend, die zumeist unbewohnten kleineren, vom nächsten (dem afrikanischen) Festland 2.000 Kilometer entfernten Eilande auf eigenem Kiel zu erkunden.

Als der gutmütige Katamaran vom Typ Lagoon 380 das Riff passiert, welches in einem großen Oval die Inseln Flat Island und Gabriel Island vor der Nordspitze von Mauritius umschließt, halten Crew und Gäste für einen Augenblick den Atem an. Nur Skipper Gibet Jude von der Charterfirma Magic Sails bleibt völlig cool. Konzentriert bedient er die Hebel der beiden marinisierten Eibaumaschinen, gibt mal auf der Backbord-, dann wieder auf der Steuerbordseite etwas mehr Schub. Spielerisch umfassen die schlanken Finger seiner dunklen Hand dabei das wagenradgroße Steuer, wirbeln es hin und her. Ein wenig "tricky" sei die Passage des nur etwa 12 Meter breiten Tores schon, gekennzeichnet nur durch zwei rostige, verbogene Eisenstangen, gibt der zweiundvierzigjährige Mauritier afrikanischer Abstammung zu.

Doch wer Wind, Strömung und den etwa einen Meter betragenden Gezeitenunterschied beachte, sei auf der sicheren Seite, versichert der versierte Skipper. Seit neun Jahren steuert der in Bain Boef am Cap Malheureux lebende Riff-Segler, von seinen Freunden nur kurz englisch "J.B" gerufen, durch die malerische Inselwelt des Indiks. Immer mit dabei ist Crewmitglied Vincent Marie Jeanne. "Zu den Inseln gehören neben Mauritius selbst vor allem Flat Island, Gabriel Island und Gunners Quoin im Norden sowie die östlich gelegene Ile aux Cerfs", erklärt der 29jährige Marie Jeanne aus Grand Baie. Die beiden Schiffsleute lieben das Meer. Und sie lieben ihren Job. Auch wenn der ihnen nicht mehr als umgerechnet knappe zehn Euro am Tag einbringt.

"Nur mit einem flachgehenden Katamaran können die Lagunen mit den schönsten weißen Stränden und kristallklarem Wasser gut und sicher erreicht werden", rät J.B. Grund: Für seegehende Monohulls sei das Revier einfach nicht tief genug, man komme mit Kielbooten nicht nahe genug heran. So erklärt es sich auch, dass in den wenigen Yachthäfen von Mauritius, etwa in Grand Baie oder an der Mündung des Black River an der geschützten Westküste der Insel, nur wenige Einrumpfer mit der rot-blau-gelb-grünen Landesflagge am Heck zu finden sind. Die meisten von ihnen sind Blauwassersegler, die auf ihren "long legs" über den Pazifik oder um die Welt auf den Maskarenen-Eilanden Mauritius, Réunion und Rodrigues nur einen - meist allerdings längeren - Zwischenstopp einlegen.

Doch neben der guten Erreichbarkeit auch der verstecktesten Strände und geschützter Lagunen sowie der zumeist preiswerteren und individuelleren Art des Urlaubens als in einem der zahlreichen Hotelneubauten entlang des Strandes hat das Segeln mit einem Kat entlang der mauritischen Küste noch weitere, entscheidende Vorteile: Heisst man etwa am Morgen nur früh genug die Segel auf, hat man die schönsten Plätze, etwa auf der Ile aux Cerfs im Osten oder vor der Ile aux Benetiers nordöstlich von Le Morne am südwestlichen Zipfel der Insel, für ein paar Stunden ganz für sich allein.

Einen Besuch wert ist auch das fischreiche und flache Gebiet zwischen den Nordinseln Flat- und Gabriel Island, wo der 38 Fuß (knapp 12 Meter) lange Segel-Kat "Ti` Frére" ("Kleiner Bruder") an einer Muring-Boje festgemacht hat. Wer von der aktiven Beteiligung an den Segelmanövern, vom Schnorcheln und Schwimmen noch nicht genug hat, kann den etwa 100 Meter hohen, alten Leuchtturm von Flat Island, der die herannahenden Boote schon von Ferne mit seinem zuckenden Lichtstrahl grüßt, besteigen. Der Weg nach oben ist zwar dornenreich, aber der Aufstieg lohnt: Denn vom Turm aus bietet sich dem Betrachter ein guter Rundumblick Richtung Süden auf die vorgelagerte Insel Gunners Quoin und das sich dahinter aus dem Meer hebende Festland der fast völlig von einer unterseeischen Mauer aus Korallen umschlossenen Hauptinsel, die schon Charles Darwin erforschte.

"Relax", empfiehlt J.B., "you are in Paradise". Das ist indes leichter gesagt, als getan: Am Oststrand von Flat Island, direkt hinter der drohenden Korallenkante, krallt mahnend ein Schiffswrack seine rostigen Spanten in den weißen Sand. Die Crew dieses Schiffes hatte wohl nicht so viel Glück bei der Auswahl ihres Skippers wie die Gäste auf der "Ti` Frére".

Foto: Am besten mit Kat: Eine Lagoon 380 vor der Insel Gunners Quoin im Norden der Insel Mauritius, (c) nass-press.de.

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Tags: mauritius  segeln  yacht  maskarenen  flat  island  charter  magic  sails  indischer  ozean  indik 

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