Klassik ist buchbar
abgelegt im Archiv Charters World von Matt am 01.02.07

Vorschlag: Wie wäre es etwa mit einem Törn auf einer klassischen Yawl (so bezeichnen Segler einen Eineinhalbmaster, bei dem der achterliche Mast hinter dem Ruder steht), Baujahr 1936? Hört sich gut an? Finden wir auch. Und betreten das gepflegte Teakdeck der "Peter von Seestermühe". Eigner Christoph von Reibnitz empfängt uns. Der verwegen blonde Haarschopf, der Blick aus stechend blauen Augen und nicht zuletzt der kräftige Händedruck vermitteln Vertrauen. Denn: Wir wurden gewarnt. Ihr segelt auf der "Peter"? Dann macht euch auf einiges gefasst. Die Yawl segelt nass. Zu den Winschen müsst ihr schwimmen. Und, nehmt Handschuhe mit!
Das Schiff, von Henry Gruber entworfen und 1936 in der Danziger Werft als "Peter von Danzig" vom Stapel gelaufen, ist mit 17, 98 Metern Länge über Alles eine waschechte Hochsee-Yacht. Sind Gross, Spinnaker, Besan und Besanstagsegel gesetzt, treiben 319 Quadratmeter Tuches den weiß lackierten Metallrumpf des 30 Tonnen- Verdrängers rauschend durch salziges Nass. Dabei trägt der kleine Besanmast allein schon so viel Segelfläche wie ein P-Jollenkreuzer, verteilt auf Fock und Hauptsegel.
Schiffseigner und Skipper Christoph lässt das Besanstagsegel setzen. "Auch wenn es keiner mag, es zieht!", ist sich der Neununddreißigjährig sicher. Vor 14 Jahren übernahm er vom Akademischen Seglerverein in Kiel die "Peter von Danzig", modernisierte sie von Grund auf und benannte den stolzen Klassiker nach seinem Heimatort bei Elmshorn. Als "Peter von Seestermühe" kreuzt sie seitdem auf weltweiter Fahrt auf den Meeren dieser Welt.
Die Crew: Ein bunt zusammengewürfelter Haufen von Seglern, die es teils zum wiederholten Male an Bord zieht. Frieder, Schreinermeister aus Wuppertal, fährt bereits seine vierte Klassik-Wettfahrt vor Flensburg. Frauke aus Würzburg schwärmt von ihrer "Nord-Tour", die sie mit "Peter" und Christoph unternahm: Seitdem hält sie der Charme des Schiffes mit seinem Riss, dem Teakdeck, dem Mahagoniausbau und den schimmernden Bronzebeschlägen gefangen. Ein Klassiker eben. Robin aus Leipzig arbeitet nebenbei als Segelausbilder bei der Hanseatischen Yachtschule in Glücksburg. Er genießt es, einmal selbst "an den Strippen ziehen" zu dürfen. Da er die größte Erfahrung hat, wird er von Christoph zum Taktiker ernannt. Von nun an ist der kräftige junge Mann verantwortlich für Karte und Kurs.
"Typisches Fördewetter", freut sich Skipper Christoph nach Passieren der Wendemarke am östlichen Ausgang der Flensburger Förde über den Mix aus Wind und Sonne. Die Krängung der "Peter" hält sich bei 5 Beaufort in Grenzen. Von wegen zu den Winschen schwimmen!
Klassik ist buchbar, wie gut. Und die Zahl der Charter- Anbieter steigt ständig. Eine kleine Auswahl. Holz- Folkeboote: www.folkebootcharter.de, Altefähr, ab 400 Euro/ Woche. 18 Meter- Bermudakutter Ylva: www.classic-charter.de, ab 600 Euro/ Person pro Woche. Piraten/ Jollenkreuzer ab Brandenburg: ab 210 Euro/ Woche (Pirat), ab 460 Euro/ Woche (20qm Jollenkreuzer), www.holzbootcharter.de.
Infos zum Schiff im Netz: www.peter-von-seestermuehe.de, Tel. 0171-8111889. Tagesfahrten ab 100 Euro. Wochenpreise ab 550 Euro. Nächste Termine: Ostertörn vom 31.3. bis 13.4., Stationen: St. Lucia- Martnique- Dominica- Guadeloupe- Antigua. Sportlich ambitionierte Segler haben zudem die Möglichkeit, vom 16. bis 25.4. auf der "Peter" an der Antigua ClassicRegatta teilzunehmen.
Foto © www.nass-press.de.
Permalink: Klassik ist buchbar
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Henry Gruber 1936 Danzig Peter von Danzig Jollenkreuzer Peter von Seestermühe
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