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Lehrgang: Brandbekämpfung an Bord

abgelegt im Archiv Kurse und Scheine von Matt am 22.03.07

Lehrgang: Brandbekämpfung an Bord
"Feuer!" - nur einen Wimpernschlag später greift der junge Mann mit dem grünen Overall, dem roten Schutzhelm und der Atemmaske den Feuerlöscher der Kategorie B für Flüssigkeiten. Beherzt zieht er den Sicherungsstift, richtet - mit dem Handrücken nach vorn - den Löschschlauch zu den schnell um sich greifenden Flammen aus, macht einen Probestoß. Weißer Staub wirbelt durch die rauchgeschwängerte Luft. Dann duckt er sich, nähert sich, vorsichtig Fuß vor Fuß setzend, dem Brandherd. Der Unterarm schützt dabei Gesicht und Körper des Mannes vor Verbrennungen. Als er nahe genug ist, die Hitze ist schier unerträglich, drückt er den Hebel des Löschers. In Sekundenbruchteilen bedeckt feines, weißes Pulver den Brandherd, erstickt auch die letzten heißen Zungen des flammenden Treibstoffes. Dann herrscht Stille. Der junge Mann hat gerade noch Zeit, das Löschgerät zur Seite zu stellen und sich den Schweiß aus dem verrußten Gesicht zu wischen, als auch schon der Beifall der Umstehenden einsetzt: Der Segler Christoph von Reibnitz, der junge Mann im grünen Overall, hat gerade das Praxis-Training "Brandabwehr auf Schiffen" der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, kurz: DGzRS, mit Bravour absolviert.

Zwar hat von Reibnitz den Kurs auf dem Gelände des Ausbildungszentrums Schiffssicherheit der Marine im holsteinischen Neustadt vor Jahren schon einmal besucht. Aber nun plant der Skipper mit seinem Schiff "Peter von Seestermühe" eine Teilnahme am "HSH Nordbank Blue Race", einer 3.600 Seemeilen langen Transatlantik-Regatta von Newport/ Rhode Island bis nach Hamburg. Und dafür ist die Bescheinigung über den erneuten Besuch eines Kurses Pflicht: "Die ISAF (International Sailing Association Federation - die Welt-Segelorganisation, d.Red.) schreibt generell vor, dass mindestens 30 Prozent der Crew eines Schiffes inklusive Skipper an diesen speziellen Trainings teilnehmen müssen", beschreibt Blue Race-Organisator Torben Knappe die für Einrumpfer geltenden Regeln. Das gelte zumindest dann, wenn wie beim Blue Race die ISAF-Regeln Teil der Regattaanweisungen seien, sagt der Wettfahrt-Organisator.

Doch egal ob es sich um einen Ostsee-Urlaubstörn mit der Familie oder um eine atlantiklinks-Regatta handelt: Empfehlenswert ist das Sicherheitstraining "Überleben auf See", zu dem neben der Brandabwehr Fragen der Leckabwehr, der Einsatz von Rettungsgerät, die Behandlung Unterkühlter und der Einsatz von Signalmitteln behandelt werden, für alle Segler. Wer meint, ohne Schulung im Brandfall schon alles richtig zu machen, irrt meist: Denn wer weiß schon, dass im Falle eines brennenden Menschen eine Rettungsdecke so um den Körper der Person gelegt werden muss, dass vor allem der Hals fest umschlossen ist. "Vermeidung des Kamineffektes" nennt das Horst Kagel, Vormann der Search And Rescue- (Sichern und Retten, kurz: SAR) Ausbildungsstation der DGzRS in Neustadt. Der Kamineffekt beschreibe, wie sich das Feuer der Kleidung bei einem stehenden Menschen immer den Weg nach oben sucht, wenn die Rettungsdecke "einfach nur so" um die Person gewickelt werde, "und oben ist nun mal der Kopf - da wird es schnell gefährlich", begründet der ehemalige Brandschutzausbilder der Marine die Bedeutung der richtigen Handgriffe.

"Ich lerne bei jeder Teilnahme etwas neues", anderes diene der Auffrischung, beschreibt Skipper von Reibnitz den Nutzwert des Kurses. Außerdem sei es gut zu wissen, dass vieles bei sich an Bord schon korrekt gehandhabt werde, sagt er. Für ihn stehe daher schon heute fest, dass er das Praxistraining in absehbarer Zeit nochmals absolvieren werde.

Auch wenn Brände an Bord nur knapp zwei Prozent der Gesamtunfallursachen des vergangenen Jahres bei der DGzRS ausgemacht hätten, so stehe eines doch fest: "Wenn doch einmal der Spirituskocher an Bord explodiert oder ein Treibstofftank in der Bilge Flammen aufgeht, sollte jedes Crewmitglied wissen, was zu tun ist und sofort mit den optimal geeigneten Gegenmaßnahmen beginnen", sagt Kapitän Udo Helge Fox. Der Geschäftsführer der DGzRS ist jahrelang selbst auf Seenot-Rettungskreuzern gefahren. Seine Tips zur Vermeidung eines Brandes an Bord gibt er gern als Referent des Brandabwehr-Lehrgangs weiter. Sie lauten: "Rauchen sie nicht unter Deck, legen sie ihre Kleidung nicht neben heiße Gegenstände wie zum Beispiel Glühlampen und löschen sie alle offenen Feuer, bevor sie ihre Kabine verlassen".

Wenn es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen doch zum Brandfall kommt, hilft nur eines: Schnell und mit dem geeigneten Gerät löschen. So sollten etwa brennende Feststoffe stets mit Wasser oder Schaum, Flüssigkeiten mit Pulver, CO² oder Schaum, Gase mit CO² oder Pulver und Metalle mit Pulver gelöscht werden. Wie die verschiedenen Feuerlöscher gehandhabt werden, weiß man als verantwortungsbewusster Segler. Wer es nicht weiß, kann es lernen. Denn: Sicher ist sicher. Getreu des Mottos der Marine-Schiffssicherungsausbilder: "Das Üben für das Überleben in Seenot ist wie eine Versicherung - du brauchst sie niemals. Bis du sie brauchst".

Die Kreuzer-Abteilung des Deutschen Segler-Verbandes (KA) bietet im Herbst 2007 und dann wieder im Frühjahr 2008 mehrere Sicherheitstrainings "Überleben auf See" mit dem Ausbildungsinhalt Brandabwehr auf Yachten an. Informationen: Tel. 040-6320090, im Internet: www.kreuzer-abteilung.org/ Ausbildung. Die Kosten für den Wochenendlehrgang belaufen sich für KA-Mitglieder 240 Euro, KA-Mitglieder bis 25 zahlen 138, Nichtmitglieder 258 Euro. Die DGzRS im Internet: www.dgzrs.de. Die ISAF "Offshore Special Regulations, die eine Teilnahme an entsprechenden Trainings vorschreiben, sind im Internet unter www.isaf.org/ rules/ offshore special regs nachzulesen).

Foto: www.nass-press.de.




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Tags: DGzRS  Deutsche  Gesellschaft  zur  Rettung  Schiffbrüchiger  Bremen  Brandbekämpfung  Marine  Schifffssich 

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