Segeln

Mein erstes Mal

abgelegt im Archiv divin` am 22.01.10

Mein erstes Mal

Ich weiß es noch wie heute. Und werde es wohl nie vergessen, komme da, was wolle: Es war am Gem-Reef, nördlich der Ostspitze Sabas, mitten in der Sulu-See, gelegen etwa 05°35`104 N und 119°09`036 E, als Tauchlehrer auf der SY Pangäa Christian Miller am 28.Oktober (ein Mittwoch) gegen 13.30 Uhr Malaysia-Zeit (zu Hause in Deutschland war es gerade mal halb Acht Uhr morgens) zu mir kam und sagte, ich solle die Ausrüstung anlegen.

Schnorcheln, ja, das hatte ich vordem als Segler schon oft und an vielen schönen Orten dieser Welt genießen können. Vor einem richtigen Tauchgang mit Flasche & Co. hatte ich jedoch - aus welchen Gründen, ist mir heute eigentlich gar nicht mehr so recht bewusst - immer großen Respekt. War es die Angst, tief unten, auf mich allein gestellt, in Panik zu geraten, an einer Riffkante hängenbleibend, und mich aus eigener Kraft nicht befreien könnend? War es die Angst vor Haien? Vor Strömungen? Gar Platzangst?

Nach einigen Hinweisen zu Theorie, Ausrüstung und Sicherheit sprang ich ins sprichwörtliche kalte Wasser, das mit 25 Grad Celsius doch eigentlich ziemlich warm war. 200 bar zeigte meine Uhr, die korrekt Finimeter heißt, wie ich damals gerade gelernt hatte. Die See war ruhig, die Sonne stand fast senkrecht und durchleuchtete das etwa neun Meter tiefe Wasser perfekt. Die Sicht war grandios und betrug mehrere -zig Meter nach allen Seiten. Wahnsinn! Christian hatte vom Heck der Segelyacht eine bis auf den Grund reichende, mit einem Taucherblei beschwerte Leine ausgebracht. Nun sollte ich mich (nachdem ich überschüssige Luft aus dem vorher aufgeblasenen Jacket abgelassen hatte), Hand über Hand an der Leine nach unten hangeln.

Erstaunlich, dachte ich, das geht ja besser als gedacht. Ab und an machte ich einen Druckausgleich, das kannte ich schon aus dem Flugzeug, wenn die Ohren zu schmerzen begannen. Schließlich waren wir am Meeresgrund angelangt. Ich kam mir plötzlich ganz klein vor - und doch irgendwie wie ein Held. Christian, mein Buddy, war immer bei mir; ich hatte schier grenzenloses Vertrauen zu ihm.

Tatsächlich - ich schwebte. Um mich herum - Stille. Weichkorallen bewegten sich träge im Rhythmus des Stroms. Fische beäugten mich neugierig. Drohte ich abzusinken, atmete ich etwas mehr ein - und stieg mit ein wenig Verzögerung wieder ein kleines Stück nach oben. Ganz ohne hektische Schwimmbewegungen. Das tat gut. Ich begann, mich zu entspannen.

Die Zeit schien stillzustehen. Das war der Zeitpunkt, als ich mich infiziert haben musste. Mit einem Sport-Virus, der ganz im Einklang mit der Natur zu stehen schien und einen zu seiner inneren Mitte führen kann. Nach gefühlten fünf Minuten begann der Aufstieg (niemals schneller als die Luftblasen steigen, hatte ich kurz vorher gelernt); tatsächlich waren bereits knapp zwanzig Minuten vergangen.

100 bar Atemluft hatte ich bei meinem ersten Tauchabenteuer verbraucht. Als ich mich an Deck aus der schweren Ausrüstung schälte, und Christian mich lobte, war ich stolz wie ein Spanier. Durch seine souveräne, sichere und Vertrauen einflößende Art hatte er es geschafft, meine Bedenken zu zerstreuen.

Mehr noch: Nun war ich einer von ihnen, teilte ihre Erlebnisse und wusste plötzlich, wovon sie sprachen. Eine neue Welt hatte sich für mich aufgetan, an dessen Pforten ich bis vor Kurzem noch achtlos vorbeigegangen war. Und: ich durfte nun, wie alle anderen an Bord vor mir auch schon, endlich mein frisches, weißes T-Shirt anziehen, das mich auf dem Rückenteil als stolzes Mitglied des "Diving-Teams" der Pangäa auswies.

Foto: Treffen in neun Metern Wassertiefe. Martin, Crewmitglied und Tauchprofi von der Pangäa schnorchelte zum Anker, als ich gerade mit meinem ersten Geräte-Tauchgang beschäftigt war, (c) Pangäa / D.Sharomov

Permalink: Mein erstes Mal

Tags: Mein  erstes  Mal,  Tachen,  SCUBA,  scuba,  Gerätetauchen,  Malaysia  tauchen,  Pangäa,  Christian  Miller,  Flaschentauchen 

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