Oben ohne auf Norwegisch
abgelegt im Archiv Motoryachts am 09.09.08

Die Handhabung des Verdecks einer Motoryacht kann schon mal dazu führen, dass aus der spontanen Spritztour nichts wird. Zumindest dann, wenn nur einige Stunden für den Kurztörn zur Verfügung stehen. Und wenn der Ab- und der Aufbau des Verdecks auf Zeit - neben artistischen Verrenkungen auf dem teilweise nicht vorhandenen oder zu schmal ausgefallenen Gangbord - allein schon eine halbe Stunde oder mehr in Anspruch nehmen.
"Schatz, mach doch mal das Dach auf, die Sonne lacht so schön" - ein auf dem Wasser wohl nur allzu verständlicher Wunsch, den der Skipper bisher oft ablehnen musste: "Keine Zeit". "Zu umständlich" Oder: "Nur, wenn du das Dach nachher auch wieder schließt" - Beziehungskrisen nahmen so ihren Anfang.
Damit soll jetzt Schluss sein: Mit der neuen Supersport R 780 (kurz: SSR, bezeichnet ein Sonderzubehör-Paket, bei dem Rumpffarbe und Motorisierung frei wählbar sind) stellt die kleine norwegische Werft Nidelv, benannt nach dem Fluss in der Nähe von Arendal, an dem die Bootsschmiede ihren Sitz hat, einen technisch überdurchschnittlich ausgerüsteten Renner vor. Der glänzt mit einer Besonderheit: Erstmals wurde die 780er SSR-Linie der wahlweise mit einem Diesel oder Benziner von Volvo Penta befeuerten, gefälligen Yacht aus glasfaserverstärktem Kunststoff mit einem sehr einfach zu bedienenden Cabrio-Verdeck ausgestattet.
Das funktioniert zwar (noch) nicht vollautomatisch, auf Knopfdruck öffnet sich jedoch wie bei einem Pkw-Cabrio im achterlichen Teil der 7,83 Meter langen Yacht ein Luk und gibt nach nur fünf Sekunden das sauber auf einem Nirogestänge gefaltete Bootsdach frei. Das besteht aus leichtem, anthrazitfarbenen Gewebe, Spinnakertuch nicht unähnlich, in das passgenau flexible Plastikfenster eingearbeitet sind, und nach weiteren fünfzehn Sekunden rasten die Bügel in den seitlich und vorn angebrachten Schnappverschlüssen hörbar ein. Das schafft eine Person leicht allein mit nur zwei Handgriffen, Dauer insgesamt: 20 Sekunden.
Der Schrecken des Ab- und Aufbaus des Verdecks gehört damit - zumindest bei Nidelv - endgültig der Vergangenheit an. Somit wird auch der Kurztörn in der Mittagspause wieder zu einer realen Option. Ohne Stress, Schweiß und blaue Flecken.
Voraussetzung für das einwandfreie Funktionieren der Stoff-Gestänge-Kombination ist eine saubere Verarbeitung, die eine gute Passform erst garantiert. Ermöglicht wird das in der 120 Mann-Werft an der Südküste Norwegens durch hundertprozentige Handarbeit. Maschinelle Fertigung, gar Massenproduktion - das kommt für Andreas Nilsen nicht in Frage. Der erst 27jährige Chef der für Nischenprodukte bekannten Batbyggeri ist seit Anfang Mai diesen Jahres der führende Kopf beim bootsbau an der Nidelv.
Die führt zurzeit Hochwasser, eine teils reißende Strömung macht Anlegemanöver zu einer spannenden Aufgabe. Doch auch hier lässt das mit 2,5 Tonnen Gewicht noch gut trailerbare Schiffchen keine unnötige Unruhe aufkommen: Ungewöhnlich für Racer dieser Größe, besitzt die neue Supersport ein auch fernbedienbares Bugstrahlruder. Der in das Steuerpult integrierte Kartenplotter scheint zumindest in den Schären und Fjorden von Arendal eine durchaus sinnvolle Ausstattungsvariante zu sein - dicht unter der Wasseroberfläche liegende Felsbrocken und Sandbänke können so auch von Ortsunkundigen rechtzeitig erkannt und umfahren werden, gerade jetzt, da noch keine Betonnung ausgebracht ist. Auch eine mühelose Orientierung in dem norwegischen Wasserstraßen-Labyrinth ist so problemlos möglich.
So ausgestattet, steht einer spontanen Spritztour aufs Wasser nichts im Wege: drei Schlafplätzen, D6-350 Volvo Penta-Dieselaggregat und DPR-Z-Antrieb; zur Wahl steht außerdem ein V8-GXI 320-Benzinmotor desselben Herstellers. Die damit erreichbare Geschwindigkeit dürfte nach Herstellerangaben dann jedoch weit jenseits des 50 Knoten-Bereiches (etwa 100 km/h) liegen.
Informationen: www.bsyachten.de.
Foto: Die neue Nidelv auf einer Spritztour auf der Nidelv, (c) www.muencheberg-media.com.

Permalink: Oben ohne auf Norwegisch
Tags: nidelv supersport R 780 motoryacht verdeck cabrio arendal
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