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Paddeln pur: Die Alte Spree bei Gosen

abgelegt im Archiv Canoeing am 09.09.08

Paddeln pur: Die Alte Spree bei Gosen
Wir haben es geschafft! Nie hat dieser Ausruf uns so mit so viel Stolz erfüllt wie nach einem Paddeltörn durch die Laken und Fließe des im Südosten Berlins gelegenen Ã-rtchens Gosen. Dort, wo früher einmal die Spree aus dem Brandenburgischen kommend über Dämeritz- und Seddinsee nach "Spree-Athen" einfiel, erstreckt sich auf etwa neun Quadratkilometern Fläche heute ein naturbelassenes - und streng geschütztes - Refugium seltener Pflanzen und Tiere mit Namen wie Fliethlake, Mühlenfließ, Kappstrom, Alte Spree, Großer Strom und Gosener Graben.

Gleich nach der Ausfahrt aus dem Hafen des Gosener Bootsverleihs richten wir den Bug des schlanken Kanadiers nach steuerbord - und sind plötzlich umfangen von der angenehmen Kühle Schatten spendender knorriger Erlen und Weiden. Tausendfach schwimmen Kaulquappen im fast stehenden Wasser des Fließes, das gleich östlich des Großen Stroms Richtung Norden mäandert. Sich paarende Libellen umspielen dutzendfach die Spitze unseres Bugs, während der lautlos einen Teppich aus hellgrüner Entengrütze zerteilt. Ungläubiges Staunen: Eben noch dem Lärmen der Pkws auf der Landstraße nach Müggelheim ausgeliefert, befinden wir uns nun in einem Bereich völliger Stille. Nur ab und an platscht es vor und neben uns im Wasser, raschelt es geheimnisvoll im nahen Gebüsch, oder ein Frosch knarzt aus dem Schilf, bevor er ins schwarze Nass köpft.

Eins mit der Natur biegen wir an der Einmündung eines Grabens nach rechts in das sich verengende Fahrwasser ab. Fahrwasser? Ein Dickicht aus Strauchwerk, Baum-Bruch, tiefhängenden Zweigen und aus dem Wasser ragenden Schilfinseln empfängt uns auf diesem Gewässerabschnitt. Plötzlich tauchen vor uns wie aus dem nichts zwei Boote auf. "Hier geht es nicht weiter. Nach hundert Metern ist Schluss", raten uns die Paddler zur Umkehr, bevor sie weiter achteraus ziehen.

Doch wir wollen es genau wissen. Nach der Karte mit leider etwas großem Maßstab, den uns Kanuverleiherin Nadine Lemke mit auf den Weg gab, müsste der Wasserarm nach nur wenigen Kilometern eigentlich in den Großen Strom und weiter in den Gosener Graben münden - wenn wir das Kartenwerk korrekt interpretieren. Das indes gestaltet sich schwierig. Das Fließ verengt sich weiter, und dann beginnt ein abenteuerlicher Abschnitt des Paddel-Törns, welcher den Crews durchaus sportlichen Einsatz abverlangt: Ein dicker Erlenstamm versperrt den Wasser-Weg; wir ducken uns tief in unseren Kandier und schrammen mit dem Boot gerade so darunter hindurch.

Einmal nicht aufgepasst: Schon patschen Zweige ins Gesicht, Spinnenweben zieren unser Haar. Eine Ringelnatter windet sich direkt vor uns durch die Grütze, nur mit Mühe kann jetzt der voraus liegende Kurs noch erahnt werden. Immer häufiger muss nun gestakt und von Bäumen abgestoßen denn gepaddelt werden. Der nächste Stamm, welcher uns den Weg versperren will, liegt tiefer und wiegt schwer: Drunter durchrutschen funktioniert dieses Mal leider nicht.

Da hilft nur eines: aussteigen und umtragen. Doch Vorsicht: Zwar ist das Wasser flach, schnell versinkt man aber in dem modderigen Grund bis über die Knie. Mit schwarzem Modder an den Beinen geht es weiter; nur nicht aufgeben, lautet die Devise. Die Sonne dringt inzwischen nur noch vereinzelt zu uns durch, so dicht ist das uns umgebende Blätterwerk der Büsche und Bäume inzwischen geworden. Schwärme von ausgehungerten Mücken erschweren das Vorwärtskommen, eine Handvoll Wasserspinnen bevölkern mittlerweile das Boot.

Über die nächsten querliegenden Stämme können wir mit vereinten Kräften hinwegrutschen, und nach zweistündigem Körpereinsatz erreichen wir endlich ein etwas breiteres Fließ, das unseren Kurs kreuzt. Ein Stück nach Steuerbord, und ein kleiner, kreisrunder und tiefer Teich mit klarem Wasser lädt zum erfrischenden Bad. Wir sind froh, denn wir haben, so scheint es, die Karte doch richtig interpretiert.

Führen wir nun weiter gen Norden, erreichten wir nach einer weiteren Stunde Paddelns den Dämeritzsee. Doch wir wenden und richten unseren Kurs nach Westen, wo wir auf dem Gosener Graben zum südlich gelegenen Seddinsee, und von dort zurück zur Paddelbasis fahren wollen.

Doch noch eine letzte ungeahnte Prüfung gilt es zu absolvieren: Kurz vor der Einmündung des Verbindungsfließes zum Gosener Graben versperrt ein altes Holzwehr mit umgestürzten Bäumen davor und dahinter den Weg. Umkehren? Aufgeben? - Kommt nicht in Frage.

Noch einmal machen wir uns in unserem Paddelboot ganz klein, drücken den Bootskörper unter der horizontalen Holzstrebe hindurch - und passen auf den Zentimeter genau durch eine der versteckten Lücken. Vom Gosener Graben ist es nun nicht mehr weit bis zum See; hier mündet auch der Gosener Kanal, von welchem sich unüberhörbar und mit gehörigem Schwell ein Konvoi von Motorbooten und -yachten auf Rundkurs um die Müggelberge auf die Gewässer Richtung Schmöckwitz ergießt.

Wir haben es geschafft! Verschwitzt und dreckig, aber froh, genießen wir die frische Brise auf dem nördlichen Teil des Seddinsees, noch ein paar Schläge mit den ergonomisch gut geformten Aluminium-Paddeln vorbei an einem geschützten großen Seerosengebiet - Lebensraum für die vom Aussterben bedrohte Trauerseeschwalbe - dann binden wir unser rotes Mini-Wasserfahrzeug in Höhe der Zwiebusch genannten Landzunge an einen überhängenden Ast.

Nach einem erfrischenden und reinigenden Bad geht es zurück zum Verleih, wo Bootsvermieter Stefan Lemke unser bereits harrt: Die nächsten Paddelgäste warten schon. Sollen wir ihnen den Tip geben, dass der gleich rechts beginnende Rundkurs für Kanadier schiffbar ist? Wir lassen es lieber, denn die Definition des Begriffes "schiffbar" ist, so scheint es, reine Auslegungssache.

Der Gosener Bootsverleih befindet sich direkt am Ortseingang von Gosen, aus Richtung Müggelheim kommend, am Bruchweg. Kanadier kosten Montags bis Freitags pro Stunde vier Euro, sonst fünf. Für einen ganzen Tag (9 bis 20 Uhr) zahlt man 25 Euro. Tel.: 03362-820986 oder 0163-2352407. Den Verleih erreicht man am besten mit dem Fahrrad ab S-Bahnhof Friedrichshagen, Köpenick oder Spindlersfeld über Müggelheim nach Gosen. Tip: Eigene Wasserwanderkarte und wasserdicht verschließbare Behältnisse für Handy und Co. mitnehmen, Mückenschutzmittel nicht vergessen. Rasten: Einen Landgasthof gibt es in der alten Ortsmitte von Gosen.

Foto: Abenteuer pur: Paddeln auf den Gosener Fließen (c) www.muencheberg-media.com.



Permalink: Paddeln pur: Die Alte Spree bei Gosen

Tags: gosen  fließe  paddeln  kanadier  berlin  wassersport  rudern 

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