Segeln
Rekordfahrt, „einfach so"
abgelegt im Archiv cross the ocean von Matt am 20.12.06
Rekordfahrt, „einfach so"
Eine der berühmtesten Yachten wurde 1936 nach Plänen des Flensburgers Henry Gruber in der Art der amerikanischen Ocean Racer gebaut. Die Yawl Peter von Danzig war lange Zeit das Flaggschiff des Akademischen Segler-Vereins (ASV) in Kiel. Fast ein halbes Tausend junger Menschen erfuhr auf diesem Stahlschiff eine seemännische Ausbildung.
Die Yacht überquerte über zwanzigmal den Atlantik, sie rundete Kap Horn und segelte um die Welt. 1991 wurde die Yacht von ihrem neuen Eigner liebevoll restauriert und strahlt seitdem wieder in traditionellem Glanz unter dem Namen Peter von Seestermühe. Ihr Eigner und Skipper Christoph von Reibnitz berichtet in loser Folge von seinen Fahrten für das segelblog. Hier seine Eindrücke von der letzten Atlantic Rallye for Cruisers:

Mit deutlich zurückgeschraubten Erwartungen gegenüber unseren bisherigen ARC-Teilnahmen waren wir diesmal mit unserer geliebten "Peter von Seestermühe" an den Start gegangen.

Wir, das sind Heinz, unser Meilenkönig, der in den letzten 12 Jahren knapp 30.000 Seemeilen mit uns gesegelt ist. Er ist genauso alt wie das Schiff und hat erstmals seine Frau Barbara mit an Bord. Peter, beim letzten ARC noch alleine, wurde jetzt diesmal von seiner Frau Steffania begleitet. Gretel, segelt nach 12 Jahren ihr zweites ARC und tut sich durch großes Engagement bei ständig guter Laune hervor. Ebenso Thomas, in letzter Minute zu uns gestoßen, adaptiert seine Bodenseeerfahrung blitzschnell auf klassisches Hochseesegeln und ist uns ein besonders angenehmer Bordgenosse. Nach Babypause beim letzten ARC ist mein bester Freund Christoph² wieder dabei. Als Proviantmeister bereits in die Geschichte eingegangen, managed er das Vorschiff soverän bei allen Manövern, steuert bei Starkwind unter Spi oder backt Apfelkuchen auf Bestellung von Jarl der mit 5 Jahren seine erste Atlantiküberquerung macht. Glücklich bei seinem Papa an Bord zu sein, interessiert Jarl sich für alles was Boot und Rennen angeht, während Bob der Baumeister, Legosteine und Kinderbücher ein unerwartetes Schattendasein fristen. Seine Schwester Hannah sonst zu Weihnachten nachgeflogen, genießt es diesmal ganz dabei zu sein und kämpft sich tapfer durch die Nachtwachen.

Wir hatten uns also vorgenommen ruhiger zu segeln. Im Rallye- Stil wollten wir nur tagsüber spinnakersegeln. Nachts würde es die ausgebaumte Genua auch tun...

Wir konzentrierten uns dafür umsomehr auf die Windentwicklung. Von Land durch Frieder per email unterstützt, entschieden wir uns für eine konsequente Südroute.

Dies entpuppte sich als absoluter Glücksgriff. Vom Start bis zum Ziel hatten wir guten Wind. Unsere Geschwindigkeit sackte nie unter 6 Knoten. So fanden wir uns nach wenigen Tagen ganz vorne im Feld der 230 Teilnehmeryachten wieder. Das Einzige was uns einholte, war denn auch das Regattafieber. So richtig hatten wir den Spinnaker bisher sowieso noch nicht heruntergenommen.

Damit waren alle guten Vorsätze, es etwas ruhiger angehen zu lassen dahin. Der Passat wurde immer kräftiger. Die Zahl der Rudergänger sank teilweise soweit, daß wir tatsächlich die eine oder andere Nacht nur unter ausgebaumter Genua und gerefftem Groß, aber immernoch mit 9 Knoten laufen mussten. Die Fische machten ebenfalls ein Rennen, und zwar auf unsere Schleppangel. Bis zu dreimal am Tag löste das KLACK der Wäscheklammer den berühmten Schlachtruf des Rudergängers aus: FIIIIISCH, FIIIISCH....

Am Ende haben wir in St Lucia eine große Grillparty mit 30 Leuten gegeben, um unsere unangetasteten Fleischvorräte aufzubrauchen. Die tägliche Funkrunde wurde immer mit großer Spannung erwartet. Nachdem inzwischen die ganze Flotte mit gutem Wind direkt Richtung Ziel lief, konnten wir immer noch unsere Position halten. Dabei half das näher rückende Ziel, der zunehmende sportliche Ergeiz und nicht zuletzt die gute Stimmung an Bord. So konnten wir in den letzten beiden Tagen noch drei Plätze allein in unserer Gruppe gutmachen, indem wir den Spi im Grenzbereich durchgesegelten.

Was sich schon abgezeichnet hatte, wurde am 15ten Tag nach dem Start zur Gewissheit: Mit unserer -Dreigenerationenfamiliencrew- würden wir einen neuen Schiffsrekord aufstellen. Einlaufen zur Kaffezeit.

Den Vormittag kommen im Norden und Süden immer mehr Schiffe in Sicht, die nun alle auf St Lucias Nordspitze zuhalten.

Spannendes Finish:Nach 2800 Seemeilen laufen innerhalb von 10 Minuten 4 Yachten hinter uns ein. Kurz vor der Ziellinie können wir sogar die SWAN 62 Albatros überholen, die mit gebrochenem Spibaum nur langsam voran kommt.

Als wir um Pidgeon Point biegen, die Ziellinie nur wenige hundert Meter vor uns, werden wir von dem Rest der Familie empfangen. Marianne und Gard (3) werden von Freunden mit dem Schlauchboot an Bord gebracht. Tim Wright, der Yachtfotograph, macht tolle Zielfotos, und unter jubeln werden wir in der Marina empfangen.

Mein Siebtes ARC, wiedereinmal ganz anders als alle vorher und doch wie für die ganze Crew, ein unvergessliches Erlebnis.

Nun liegen wir also in Rodney Bay, St Lucia West Indies, putzen unser vom Atlantik gerupftes Gefieder, bauen Sandburgen am Strand und warten auf die Preisverleihung.

Frohe Weihnachten wünscht

Christoph von Reibnitz und die Petercrew.

Alles übers Boot und die aktuellen Törns im Netz: www.peter-von-seestermuehe.de.

Foto: © www.nass-press.de.



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