Seefrauschaft Rund Bornholm
abgelegt im Archiv Regattafieber am 10.07.09

Dichte Wolken türmen sich über der kalten Ostsee vor Warnemünde auf, das salzige Nass hat eine tiefgraue Farbe angenommen, der wind frischt stetig auf, dass es nur so pfeift in den Stagen und Wanten, und die Wellenformationen nehmen noch immer an Höhe zu, als fünf junge Frauen aus Brandenburg und Berlin mit einer Hanse 52 hart am Wind durchs Wasser pflügen.
Es ist das erste Mal, dass sie für drei Tage und zwei Nächte ununterbrochen als Team auf der Ostsee unterwegs sind. Das gemeinsame Ziel der Damen im Alter von 28 bis 42 Jahren ist ambitioniert: Bei der längsten deutschen Strecken-Seeregatta "Rund Bornholm" wollen sie, dann zusammen mit vier weiteren Seglerinnen, antreten - "und vor allem: ankommen", ruft Sabine Thonfeld gegen den starken Wind, der ihr fast den Atem raubt, als ihre Hände das wagenradgroße Steuerrad fest umschließen. Sabine ist mit 42 Jahren nicht nur die Älteste an Bord, sie bringt auch die meiste Erfahrung mit und darf deshalb die Polaris beim Training durch die Wellenberge skippern.
Die im Rahmen der Warnemünder Woche jeweils Anfang Juli laufende Wettfahrt gilt als sehr anspruchsvoll zu segeln, egal ob es sich nun um Segler oder Seglerinnen handelt. Regatten mit durchgängigem Starkwind unterzogen Mensch und Material in den vergangenen Jahren genauso einem Härtetest wie hartnäckige Flautenlöcher, welche die Rückankunft der Segelboote schon mal um einen ganzen Tag verzögern kann. Trotzdem - oder gerade deswegen - nähmen viele die Herausforderung an und beteiligten sich in jedem Jahr bis zu 80 Yachten an der 270 Seemeilen (500 Kilometer) langen Regatta, sagt Mareike Guhr vom Regattabüro der Warnemünder Woche, die in diesem Jahr vom 4.bis 12.Juli bereits zum 72.Mal startet.
"Die Ostsee ist anerkanntermaßen eines der anspruchsvollsten Segelreviere überhaupt. Das wird kein Zuckerschlecken für die Mädels, aber dafür eine der besten Erfahrungen ihres Lebens" verspricht denn auch Michael Haufe, Geschäftsführer der Firma Teamgeist GmbH aus Brandenburg, der die Hanse für die Übungs-Törns und eine Bavaria 44 H für die Regatta zur Verfügung stellt und die Frauen, darunter mehrere mit wenig Segelerfahrung, durch spezielle Trainings auf den brandenburgischen Gewässern und auf der Ostsee in den Wochen vor dem Rennen fit macht für den Ausnahme-Törn. Dabei gehe es den Frauen nicht darum, als erste ins Ziel zu segeln, sondern um das Gewinnen an ganz persönlichen Erkenntnissen, sagt der Segelausbilder, der die Regatta schon zwölf Mal mitgefahren ist und genau weiß, wovon er spricht.
Am Dienstag Punkt 9.30 Uhr war es soweit: Gemeinsam mit 65 weiteren Yachten machten sich die Mädels auf den langen, entbehrungsreichen See-Weg. Über den Satz "Wenn Gott gewollt hätte, dass Frauen segeln, hätten er das Wasser rosa gefärbt", können die Seglerinnen nur milde lächeln. Denn abgerechnet wird im Ziel. Ihre See-Taufe haben sie bereits erhalten. Jetzt gilt es, umzusetzen, was die jungen Frauen an den anstrengenden Trainigswochenenden an Bord der Polaris gelernt haben.
Foto: Die Damen-Crew an Bord der Antares, einer Bavaria 44, kurz vor dem Start. Noch ist Trainer Micha Haufe von der Brandenburger Firma Teamgeist an Bord. Bald werden die Mädels allein zeigen müssen, was sie in der kurzen Zeit gelernt haben. (c) nass-press.

Permalink: Seefrauschaft Rund Bornholm
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