Tages- Törn vorm Märchenschloss
abgelegt im Archiv Canoeing von Matt am 02.10.06

Wir mieten uns einen gutmütigen Dreierkanadier aus glasfaserverstärktem Kunststoff und machen uns stechpaddelbewehrt und den "J- Schlag" fürs Geradeausfahren beherzigend, auf den Wasser- Weg durch das Refugium von Stieglitz, Braunkehlchen, Feldlerche und des "Nordische Nachtigall" genannten Sprossers, die, gut getarnt zwischen Holunder, Weißdorn, Schlehe und Buschwindröschen ihre Lieder singen.
Am Fuße des zu einem Kinder- und Familienhotel umgebauten "Märchenschlosses" Boizenburg, eines mächtigen und durch zahlreiche aufgesetzte Türmchen dennoch verspielt wirkenden Frührenaissancebaus, startet unser Tages- Törn, der auf etwa sieben Kilometern (einfache Fahrt) vom einstmals kurfürstlichen "Küchenteich" über ein schmales, von Teichrosen bewachsenes Fließ in den Schumellensee führt, um, wiederum nach Passage eines schilfbesäumt mäandernden Nadelöhrs unvermittelt den Blick freizugeben auf den sich haffartig weitenden Hardenbecker Haussee.
Der knapp vier Kilometer lange und an seiner tiefsten Stelle 36 Meter messende Binnensee hat die Form eines langgestreckten "Z" und bietet nach kräftezehrendem, knapp zweistündigem gemächlichem Paddelschlag am Nordufer gleich zwei Möglichkeiten zu Rast oder Picknick.
Wer mag, setzt sein eigenes Paddelboot an der nordwestlich gelegenen Badestelle Rosenow ein. Drossel-, Sumpf- und Teichrohrsänger sowie die Rohrdommel leben am Ufer des 160 Hektar großen, stillen Gewässers, in dem Fischotter leben und die Kleine Maräne schwimmt, eine planktonfressende Fischart mit hohem Anspruch an die Qualität des Wassers.
Viel gibt es zu entdecken am Ufer der Seen, auf deren Grund noch in mehreren Metern Tiefe Pflanzen und Steine gut zu erkennen sind: Nördlich der Fußgänger- Brücke zwischen Küchenteich und Schumellensee lockt etwa das Naturdenkmal "Ungleiches Paar", Eiche und Buche wie in einer innigen Umarmung verharrend, zu einer Stippvisite; die Spuren der Familie von Arnim lassen sich trefflich auf einem etwa 3,5 Kilometer langen Rundweg zwischen der Ruine der "Roten Kapelle" und des Schlangentempels sowie von Apollo- und "Löwen"- Tempel, dem Erbbegräbnis derer von Armins, im nahen Forst erwandern.
Als wir an den Ausgangspunkt unseres übrigens auch für Kinder gut geeigneten Tagestörns zurückkehren, hält am Nordufer wie in Granit gemeißelt ein Fischreiher Wacht. Aus dichtem, alten Waldbestand trommelt unsichtbar für unsere Augen ein Specht. Nur eine Bootslänge entfernt springt übermütig ein schwerer Fisch.
Kaum zu glauben, aber wahr: nur eine Autostunde von Berlin entfernt, liegt ein kleines Paradies, das sich dem erschließt, der es - leise und behutsam - auf dem Wasserwege sucht.
Kanu- und Kajakvermietung: Bootshaus am Küchenteich. Bezahlung an der Rezeption des Schlosses Boitzenburg. Die Ausleihgebühr für zwei Personen für einen halben Tag beträgt 14 Euro; vier bis sechs Personen zahlen 17 und zehn Personen 34 Euro. Hydrobikes pro Stunde 5 Euro. Auskunft/ Bestelllung: Tel. 039889-50930, Internet: www.schlosshotel-boitzenburg.de.
Foto:
Paddeln vor einem "Märchenschloss": Mit dem Kanadier im Landschaftspark Boitzenburg, Teil des Naturparks Uckermärkische Seen.
Foto (c) www.nass-press.de.
Permalink: Tages- Törn vorm Märchenschloss
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