Törn-Tipp: Vom Mittelmeer zum Atlantik auf dem Canal du Midi
abgelegt im Archiv Auf Kurs von Matt am 24.01.08

An der Verwirklichung des Traumes scheiterten Mächtige und Macher, von Karl dem Großen bis Franz dem Ersten, selbst Leonardo da Vinci tüftelte vergeblich daran.
Heute fahren wie selbstverständlich unzählige Hausboote auf dem Kanal, der neben einzigartigen Ausblicken auf natur und denkmalgeschützte Bauensembles vor Allem auch über eine interessante Geschichte verfügt:
Pierre Paul Riquet hatte Mitte des 17. Jahrhunderts die zündende Idee. Er war königlicher Steuerbeamter, ein Besessener von der Vision des Kanals zwischen den beiden Meeren. Vom Meeresspiegel aus muss der Kanal bis Toulouse auf 189 m ansteigen. An diesem Problem waren bisher alle gescheitert. Riquet fand die Lösung, wie der Kanal immer gleichmäßig mit Wasser versorgt werden könnte. Die Bäche und Flüsse der Montagne Noir, so sein Plan, sollten in einem großen Staubecken gesammelt werden, von dem aus der Kanal an seinem Scheitelpunkt gespeist würde.
1667 konnte mit dem Bau des Staubeckens von St. Ferreol begonnen werden. Die Wasser der Schwarzen Berge fließen teils direkt, teils unterirdisch hierher. Insgesamt 6,7 Millionen Kubikmeter Wasser. Der Staudamm war mit seinen drei Mauern und 871 Meter Länge der größte Bau in Frankreich seit Zeiten der Römer, - seit Vierzehnhundert Jahren. In den Gängen und Schächten des mächtigen Damms wird bis heute der Wasserzufluss für den Kanal gesteuert. Nur die Ventile wurden ausgetauscht. Nach 30 Kilometern fließen die Versorgungskanäle in den Canal du Midi.
Flusstäler mit wasserführenden Brücken zu bewältigen, das war Riquets großartige Idee. So musste die Fahrt der Boote nicht mehr unterbrochen, oder gar die Fracht auf Schiffe am anderen Flussufer umgeladen werden. Die mächtige Kanalbrücke über den Orb bei Beziers wurde von Vauban, dem Festungsbaumeister des Sonnenkönigs gebaut. Sie ist 240 m lang.
An beiden Kanalufern legte Riquet befestigte Wege an. Treidelpfade, - damals wurden die Boote von Pferden gezogen. Segel konnten nur an wenigen offenen Abschnitten in Mittelmeernähe gesetzt werden. Heute sind die Treidelpfade Fahrradwege durch die Weinlandschaft des Languedoc-Roussillon.
Erst der Kanal machte übrigens den Weinhandel zu einem einträglichen Geschäft, die Dörfer entwickelten sich zu wohlhabenden Kommunen. Das größte Weingut der Region verschiffte jährlich 13000 Hektoliter. Riquet plante auch die gesamte Verwaltung und Instandhaltung des Kanals. Er baute alle Schleusenwärterhäuser im gleichen Stil, vergab die Schleusenwärterstellen auf Lebenszeit. Die Gebühren der 99 Schleusen standen ihm zu, denn der König hatte ihm den Kanal als Lehen gegeben.
Gisela Mahlmann erzählt im Film "Canal du Midi" für die SWR Reihe "Schätze der Welt" die Geschichte dieses Traums und seiner Verwirklichung. Zugleich bekommt der Zuschauer durch die faszinierenden Bilder von Kameramann Jürgen Grundmann Eindrücke von den schönsten Landschaften Südfrankreichs, durch die der Canal du Midi zwischen dem Mittelmeer und Toulouse führt:
Durch Sete und die Lagunenseen an der Küste, vorbei an der griechischen Gründung Agde
, an der Katharerstadt Beziers, an der mittelalterlichen Burg von Carcassonne. Der Canal du Midi verbindet die Weinanbaugebiete des Languedoc mit Toulouse, er führt über Brücken und durch Tunnel.Seit 1995 ist der Canal du Midi als Weltkulturerbe von der UNESCO anerkannt. Weil er nur gut 100 Jahre für die Handelsschifffahrt benutzt wurden - danach war er für die dann größeren Schiffe zu flach und der Transport per Bahn günstiger, - blieb dieses Meisterwerk in seiner ursprünglichen Form erhalten. Technik und Natur sind entlang des Canal du Midi eine einzigartige bezaubernde Symbiose eingegangen.
Seit 1880 erleben die Regionen an den Ufern des Canal du Midi einen Aufschwung: Seit dieser Zeit boomt der Tourimus, und zwar vor Allem auf dem Wasser. Die beste Möglichkeit, die faszinierende Gegend zu erkunden, ist die, mit einem Hausboot unterwegs zu sein.
Info : www.kuhnle-tours.de
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