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Classic Cruising
von Matt am 14.01.09

Doch nicht jedes Revier ist zu jeder Jahreszeit für alle Skipper gleichermaßen gut für einen Törn geeignet. Bei der Auswahl des passenden Gewässers sollten vor Fahrtantritt deshalb vor allem zunächst die Erfahrungen der Crew, das zu erwartende Wetter, Besonderheiten des Reviers, die zur Verfügung stehende Zeit, der Zweck der Reise und eventuell benötigte Befähigungsnachweise überprüft werden. Weniger erfahrene Mannschaften, Familien mit mehreren kleinen Kindern oder Skipper ohne Sportbootführerschein bevorzugen traditionell das deutsche Binnenrevier.
Größter rein deutscher Binnensee ist mit 117 Quadratkilometern Wasserfläche die in Mecklenburg-Vorpommern gelegene Müritz. Gerade im Hochsommer gibt es auf den deutschen Binnengewässern meist schwache Winde, viele geschützte Ankerbuchten, überschaubare Etmale, eine gute Infrastruktur und oft auch Kultur und Abwechslung an Land. Selbst ein Schein fürs Boot ist nicht immer Bedingung. "Besonders die mit dem sogenannten Charterschein zu befahrenen Reviere in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg sind sehr beliebt," sagt Holger Schiller vom Arbeitskreis Charterboot (AKC) im Bundesverband Wassersportwirtschaft (BVWW). Dort können Chartergäste seit einigen Jahren führerscheinfrei, nur ausgerüstet mit einem sogenannten Charterschein, auf gemietetem Kiel unterwegs sein. Voraussetzung ist lediglich eine gründliche Einweisung in die Handhabung des Bootes.
Im Trend liegen neben zweiwöchigen Rundreisen und Einweg-Törns immer mehr Kurzausflüge. Und: Immer mehr Charterer möchten nur noch "einweg" chartern, sprich: Der Rückweg entfällt. Das Boot wird einfach am Zielort zurückgegeben. "Nach jetzigem Buchungsstand sind Oneway-Törns zwischen Berlin und der Müritz besonders gefragt", bestätigt Silvana Wilke von Müritz-Yacht-Management in Rechlin diesen Trend. Favoriten bei den Charterkunden, die die deutschen Binnenreviere auf eigenem Kiel erkunden wollen, seien dabei entlang der Seenketten vor allem die Reviere, in denen die Infrastrutur an Land stimmt.
Erfahrenere Segler und Motorboot-Kapitäne zieht es dagegen traditionell hinaus auf die Ostsee, Stammrevier insbesondere vieler Berliner und Brandenburger Segler. Der Sommer gilt auch hier als angenehmste und gefragteste Zeit für einen Törn. Den Schwierigkeitsgrad und die Länge der Reise legt jede Crew individuell fest. Wer will, reist mit der Yacht auf dem Wasserweg die Oder flussabwärts und legt ein paar Tage Rast auf dem Stettiner Haff ein, das unter Freizeitskippern noch immer als Geheimtipp gilt, bevor es weiter zum Greifswalder Bodden oder direkt auf die Ostsee geht.
Gut zu wissen, dass auch der Service an der deutschen Ostseeküste stetig zunimmt: Mit dem Yachthafen Hohe Düne in Warnemünde, den Marinas in Kühlungsborn und Boltenhagen sowie neuen Häfen auf Rügen wird die Planung von kürzeren Etmalen möglich und die Reise für die Crew damit zumeist auch sicherer. Weitere Charterstützpunkte wie etwa der des schon seit einigen Jahren auf Rügen ansässigen Vercharterers Goor in der Marina Wendtorf am Ausgang der Kieler Förde oder der des neuen Anbieters Thinius am südlichen Strelasund erweitern aktuell die Möglichkeiten für einen gelungenen Ostsee-Törnstart ab 2009.
Doch auch für hartgesottene Segler, oder solche, die es noch werden wollen, hat Deutschland einiges zu bieten: So werden seit einigen Jahren Sturmtrainings und Schwerwetterseglen auf Ost- und Nordsee angeboten. Damit es sich windmäßig auch lohnt, laufen diese Kurse zumeist im Frühjahr oder spät im Herbst, wie bei der Hamburger Firma So Long-Yachting: Bereits im April starten zwei Törns von Fehmarn aus nach Helgoland und zurück.
Doch selbst im Winter ist in Deutschland mit dem Segeln noch nicht Schluss, wie die in Brandenburg am Wolziger See ansässige Firma Teamgeist zeigt: Ihre Hochsee-Yachten legen erst ab, wenn ein eisiges Lüftchen weht und das Wasser schon zu gefrieren beginnt. Glühweinsegeln nennen das die Segler um Firmenchef Michael Haufe.
Insgesamt 350 Charterunternehmen, Fremdenverkehrsämter und Reiseveranstalter beteiligen sich an der diesjährigen boot in Düsseldorf, viele davon offerieren Törns in oder durch Deutschland. Wer einmal ein Hausboot testweise besteigen will, hat auf der boot Gelegenheit dazu: Kuhnle Tours zeigt sein 12,80 m langes Hausboot vom Typ Kormoran 1280 in der Blauen Urlaubswelt (Halle 13), sowie eine 11,40 m lange Kormoran 1140 in Halle 13 auf Stand C 63. Heech by de Mar wartet auf der Holland Plaza (Halle 14, Stand C 20) mit einer 8,10 m langen Vollenhovense Bol auf, einem Motorboot, das aus einem Plattbodensegler entwickelt wurde.
Foto: Entspannt cruisen mit einer Frauscher-Motoryacht auf dem Brandenburger Schwielowsee, Foto: (c) nass-press.
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Wong
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