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Aluminium: Keine Angst vor Elektrolyse

abgelegt im Archiv Technik von Matt am 27.04.07

Aluminium: Keine Angst vor Elektrolyse
Aluminium ist das zurzeit populärste Material, wenn es um den Einzelbau von Fahrtenschiffen geht. Die Gründe hierfür sind so einleuchtend wie vielfältig zugleich: Aluminium ist zum einen bei gleicher Festigkeit wesentlich leichter als Bootsbau-Stahl; das so eingesparte Gewicht kann für Vorräte, Lebensmittel oder Materialien verwendet werden, bedeutsam für lange Schläge, auf denen viel gebunkert werden muss. Zum anderen sind Aluminiumyachten, ihres vergleichsweise geringeren Gewichtes und des dadurch höheren Schwerpunktes wegen, steifer - und schneller - als Stahlbauten. Auch in puncto Sicherheit bietet das Leichtmetall Vorteile: Aluminium deformiert im Falle einer Kollision, etwa mit einem über Bord gegangenen Container, mehr als Stahl. Das ist in etwa vergleichbar mit der Knautschzone bei einem Pkw. Schließlich muss der Eigner einer Alu-Yacht die Außenhaut nicht beschichten; das spart teure und aufwendige Farbaufbauten. Und: "der Wiederverkaufswert von Alu-Booten ist der höchste aller Fahrtenyachten", sagt Martin Menzner. Der Yacht- Konstrukteur von der Firma Berckemeyer Yacht Design aus Stein zeichnet zehn Yachten aus Aluminium jährlich. Sie haben sich auf allen Meeren dieser Welt bewährt, vorzugsweise auf Jahre währenden Langfahrten.

Auch die Franzosen Stephan Constance und sein Freund Xavier Desmarest schwören auf die Vorzüge des relativ leichten Werkstoffes. 2006 initiierten sie - völlig entgegen dem Trend, Aluyachten in Serie bauen zu wollen - zusammen die Firma Allures Yachting. Ziel der Werftgründung waren Planung und Bau eines robusten, dabei leichten und agilen Rundspanters mit variablem Tiefgang und Doppelrudern. Das erreichten die Segler durch die Verwendung des Baustoffes Aluminium für die Rumpfschale. Von einer französischen Yachtzeitschrift prompt mit dem Titel "Yacht des Jahres" für eine erste, 40 Fuß lange Version ausgezeichnet, legten die Tüftler aus Cherbourg nun eine um vier Fuß längere Version nach. Auch die Allures 44 hat das Zeug, zu einem Langfahrt-Klassiker zu werden, wie erste Tests beweisen.

Doch Vorsicht: Aluminium ist wie kein anderer Bootsbau-Werkstoff der Elektrolyse (griechisch: "mittels Elektrizität trennen") ausgesetzt. Darunter versteht man die Aufspaltung einer chemischen Verbindung, in diesem Falle des Metalls Aluminium, unter Einwirkung von elektrischem Strom. Die Reaktion, welche auch erfolgreich etwa zur Raffination von Kupfer angewandt wird, funktioniert wie das Laden einer Batterie, nur eben mit umgekehrtem Vorzeichen. Das kann bei Yachten schnell eine zerfressene Bordwand bedeuten, ein Totalverlust droht.

Doch es kann Entwarnung gegeben werden: "Die Frage der Elektrolyse bei Aluminiumyachten wird oft übertrieben. Man darf sie jedoch nicht aus den Augen verlieren und muss den Rumpf schützen", sagt Yachtdesigner Menzner. Zu den vorbeugenden Maßnahmen gegen Elektrolyse zählt der diplomierte 41jährige Konstrukteur den Anbau von sogenannten Opfer-Anoden im Unterwasserbereich sowie entsprechende Isolierungen der aufeinander stoßenden verschiedenartigen Metallteile an Bord. Bei den Anoden handelt es sich zumeist um kleine Zink- oder Magnesiumplättchen, die sich im Rahmen des Korrosionsschutzes zuerst selbst zerstören; so bleiben Rumpf und Schraube intakt. "Umso weiter die Metalle im Periodensystem der Elemente auseinander liegen, desto gefährlicher wird es", warnt der Designer, da könne die beim Schweißen des Aluminium-Rumpfes verlorengegangene, sprichwörtliche Kupfermünze schnell zur Katastrophe führen, warnt Menzner.

Auch Stephan Constance und Xavier Desmarest machten sich Gedanken über die Verhinderung von Elektrolyse an Bord ihrer Fahrtenyachten: Alle Allures-Boote weisen deshalb eine isolierende Grundierung des Rumpfes auf; unterschiedliche Metalle werden durch Plastik auf Abstand gehalten. Zudem sind bei den schnittigen Franzosen-Yachten alle elektrischen Geräte an Bord zweipolig verkabelt. So ausgerüstet, ist die Furcht vor Elektrolyse an Bord unbegründet.

Auch Strom-Messgeräte können hilfreich sein, wie ein Vorfall bei einer der ersten deutschen - und der wohl bekanntesten Hochseeyacht mit Aluminium-Rumpf überhaupt, der Krupp`schen Germania VI - zeigt. Die kleinen Geräte können helfen, versteckte Ströme ausfindig zu machen, um diese anschließend zu eliminieren. Als etwa am Liegeplatz der traditionell lindgrün lackierten Yacht im Kieler Yacht Club, vor einer Metall-Spuntwand im Hafenwasser schwoiend, alte Holz- gegen neue Metallpoller ausgetauscht wurden, konnten nach einiger Zeit bei einer Routineuntersuchung zwei dünne Stellen im Rumpf entdeckt werden. Wie sich später zeigte, waren Grund dafür schwache Stromflüsse, welche durch die Metalle unterschiedlicher Güte und durch die mangelnde Isolierung eines Bordaggregates hervorgerufen worden waren und zur schleichenden Zersetzung des Aluminiums durch Elektrolyse geführt hatten.

Foto: Als sechstes und letztes Schiff dieses Namens lief 1963 bei der renommierten Schiffswerft Abeking & Rasmussen an der Weser die Germania VI vom Stapel. Gezeichnet wurde die als eine der ersten Yachten in Deutschland überhaupt in Aluminium gebaute, 22,12 Meter lange Yawl vom Amerikaner Olin Stephens. Vor 44 Jahren war die Verwendung von Aluminium als baumateriallinks für Yachten noch ein Wagnis, da Erfahrungswerte fehlten. Doch der Erfolg brachte A & R im Alu-Yachtbau schließlich die weltweite Anerkennung.

Allures-Yachten im Internet: www.allures-yachting.de. Erster Test siehe Yacht 9/2007.

Erfahrungen bei der Konstruktion von Aluminium-Yachten hat: Berckemeyer Yacht Design, , www.berckemeyer-yacht.de.

Foto: © www.nass-press.de.




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